Yoga Blog


And when you drive, drive on the left side...

Ich gehe durch den Mittelgang des Flugzeuges, auf dem Flug von Delhi nach Chennai, überblicke die Reihen gefüllt mit Menschen mit schwarzen Haaren und dunkler Haut, und bemerke plötzlich, wie ich ganz unbewußt in eine andere Identität geschlüpft bin. Die indische Facette meiner Persönlichkeit hat sich automatisch auf den Plan gerufen gefühlt und spielt ihre Rolle: "ordentlich", würdevoll, geerdet, selbstsicher und etwas unnahbar. Ich bemerke auch, wie ich mich in der Rolle nicht unwohl fühle, sondern eigentlich sehr zu Hause. In Österreich ist "Angemessenheit" nicht mehr annähernd so wichtig wie in Indien. Wie man sich, besonders als Frau kleidet, bewegt, interagiert.... Bei "uns" besteht diesbezüglich enorme Freiheit, von der ich dann auch wieder wertschätzend Gebrauch mache... Doch, wenn ich in Indien bin, geniesse ich diese würdevolle, sich bewahrende Aura der Weiblichkeit, in die man sich als Frau hüllt wie in einen wertvollen Sari.

 

Ich sitze auf meinem Fenstersitz und spüre, wie ich mich in mich selbst hineinfallen lasse, ein erleichtertes Durchatmen, ein Loslassen von all den Verantwortungen und Pflichten  der letzten Wochen und Monate. Es ist, als würde ich endlich zu mir nach Hause zurückkehren nach all der Geschäftigkeit im Außen und in eine tiefe Umarmung mit mir selbst sinken. Der Sitz neben mir ist frei und der Mann daneben rülpst laut und ungeniert - ich kann mir einen angewideren Blick nicht verkneifen, was aber keinen interessiert, denn rülpsen fällt hier nicht aus dem Rahmen der Angemessenheit.

 

Es ist warm und ich habe meine Füße von den Socken befreit. Wie ich diese Barfuß-Kultur in Indien geniesse! Lebendige, sensible Füsse, in Kontakt mit der Erde, in natürlicher Schönheit.....einfach sein-dürfen.

 

Ich bin gespannt und offen welcher höhere, karmische Plan diesmal für mich auf dem Programm steht. Welche Herausforderungen, welche Gaben, wer ich danach sein werde...

 

Ich bin unglaublich hungrig und Air India serviert zum Glück immer gute Mahlzeiten. Endlich steht das Tablett vor mir, ich entferne die Alufolie und dampfender Reis mit würziger Gemüsesauce und Dhal kommt zum Vorschein. Es schmeckt vorzüglich, doch schon jetzt bin ich wieder mit der "Chili-Challenge" konfrontiert und picke die vielen kleinen Stücke grüner Chilischoten heraus.

 

Ich komme mit Verspätung in Chennai an, bei den Immigrationsschaltern werden so viele Fragen gestellt, daß es scheinbar ewig dauert bis unsere kleine Personengruppe mit ausländischen Pässen endlich abgefertigt ist. Als ich endlich aus dem Flughafengebäude heraustrete in den Abholbereich und hoffnungsvoll Ausschau halte, sehe ich auch schon, wie die Hand eines Mannes nach oben schnellt, ein Schild mit meinem Namen darauf hochhaltend. Ich gebe ihm eben so schnell das O.K. Zeichen mit dem Daumen nach oben und nachdem er mein Gepäck verstaut hat machen wir uns auch schon auf den Weg....auf der Strecke aus der Stadt Stau Stau Stau....doch bald fließt der Verkehr wieder und wir fahren unserem Ziel, Auroville, entgegen. Unterwegs halten wir an einem Restaurant an der Bundesstrasse, denn ich bin schon wieder hungrig und es ist schon dunkel und wer weiß, ob ich später noch etwas bekomme... Ich bin dankbar für "Onion Dosa" mit Kokos Chutney. Der Fahrer verdrückt in Windeseile 4 Idlis. Und dann versucht er meine indische SIM Karte zu reaktivieren, was aber nicht gelingen will. Er drückt auf meinem Telefon herum, und als er mein Hintergrundbild von der Heiligen Ma Anandamayi sieht, fragt er beiläufig: "Is it God?" Auf diese einfache Frage kann ich in diesem Land eine ebenso unkomplizierte Antwort geben: "Yes." Er nickt verstehend und sucht weiter in meinem Telefon nach der richtigen Einstellung...

 

Es ist wunderbar in Rekha ´ s und Michael ´ s Anwesen anzukommen. Die beiden haben ein Paradies geschaffen. Einen Ort der Ruhe und Schönheit, des künstlerischen, kreativen Ausdrucks. Der große Garten blüht und gedeiht - Champabäume, Cashewbäume, Babanenstauden, Mangobäume, Jasmin, Hibiskussträucher... man kann darin so richtig lustwandeln und sich von den verschiedenen Düften betören lassen. Die wunderschöne Skulptur von Saraswati, der Göttin der Künste, segnet den ganzen Platz. Hier werde ich für die nächsten Wochen bleiben und klassischen indischen Tanz üben. Die beiden empfangen mich in ihrem großräumigen, geschmackvoll gestallteten, und trotz großer Einfachheit und Klarheit, herrschaftlich anmutendem Wohnzimmer in sehr entspannter Atmosphäre. Die beiden Dalmatiner Luna und Tara schenken mir eine überaus freudige Begrüßung.

Unser Gespräch geht ohne Umschweife in die Tiefe. Das Leben, seine Lektionen und Herausforderung, der spirituelle Prozess des Erwachens und Frei-Werdens.... Wir sind sofort wieder auf der selben Wellenlänge, so wie bei meinem letzten Besuch im März.

 

Als ich nach 2 langen Tagen und einer schlaflosen Nacht im Flugzeug den Körper endlich niederlege und austrecke, scheint der Vollmond durch die Stäbe der schönen Holzfenster und wirft lange milchig-blaue Streifen über mein großes Bett. Nein, die Augen noch nicht schließen...noch diese Schönheit in die Seele fließen lassen...

 

Es hat ungefähr 80% Luftfeuchtigkeit und ist warm. Die nachtaktiven Bewohner des üppigen Gartens feiern ein Fest. Ich hab beim Ankommen schon eine Kröte von enormer Größe im Halbdunkel erblickt. Und nun geben dieses Exemplar und seine Kumpanen ein Konzert von beachtlicher Lautstärke, die Grillen stimmen mit ihrem Gezirpe mit ein, als immer wieder aufwallende und abklingende Oberstimme. Irgendwelche Hunde besingen dazu winselnd und heulend den Vollmond und ein paar Nachtvögel setzen mit Ihre schaurig-schönen Rufen zauberhafte Akzente. Alles in allem eine fast ohrenbetäubende Geräuschkulisse zu so später Stunde. Ich liege im Bett mit den Augen endlich geschlossen und muß schmunzeln. Welcome to India! Wenn nicht die Menschen mit ihren ohrenbetäubenden Hochzeits- und Begräbnisfeiern und dem ständigen Gehupe auf den Strassen lärmen, dann ist auch in freier Natur für den üblichen, gewohnten Geräuschpegel gesorgt...

Nach nicht allzu langer Zeit kehrt aber plötzlich Ruhe ein im Garten....oder bin ich einfach vor Müdigkeit eingeschlafen....

 

Meine Grundausstattung, die ich mir am ersten Tag gleich besorge: eine neue SIM Karte und ein Moped. Der Mopedverleiher sagt zu mir ganz beiläufig: "And when you drive, drive on the left side!"  "Ah danke. Guter Tip."

 

 

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Göttliche Schönheit

 

Schönheit....

 

das Göttliche berührt uns auf viele verschiedene Arten und Weisen. Je nach unserer persönlichen Disposition erscheint es uns so wie es uns entspricht.

 

Als Ma Anandamayi gefragt wurde, Ma wer bist Du?, antwortete sie „Was auch immer Du mir zuschreibst, wie auch immer Du mich sehen möchtest, das bin ich.“

 

 

Für mich war es schon immer die Schönheit, die mir meine/n ungreifbare/n Geliebte spürbar und erfahrbar machte. Der sanft leuchtende Vollmond der die Birkenblätter vor meinem Kinderzimmerfenster versilberte, ein golden glühender Sonnenaufgang über dem weiten Meer an der spanischen Costa Blanca auf meinem Weg zur Arbeit, das kristallklare kalte Wasser der österreichischen Flüsse und Seen welches eine mystische Unterwasserlandschaft Preis gibt, die unfassbare Zartheit und Lieblichkeit, die ein tiefer Blick in eine Blüte freigibt... Die Schönheit der Natur hat meine Seele schon immer am tiefsten bewegt, hat mein Herz sich sehnen lassen nach dem unergründlichen unermesslichen Wesen, dem/der mystischen Geliebten, hat mein Herz singen lassen in ekstatischer Feier des Lebens....

 

 

 

Wie gesegnet ich mich fühle, daß Ma sich in meinem Leben manifestiert hat als die Göttin der Schönheit, die Königin der drei Welten, die ich verehren darf, deren Mantras und Gebete ich sprechen darf, die mich als ihre Tochter angenommen hat. Die morgendliche Sri Puja ist meine tägliche Erinnerung an meine Quelle, meinen Ursprung, meine Mutter und meine wahre Natur, und sie ist eine Praxis der Schönheit! Mit Blüten, mit Kerzen, mit Düften und süßen Früchten und anderen Kostbarkeiten wir das göttliche Weibliche Prinzip, zusammen mit Ihrem ewigen Gemahl, dem männlichen Prinzip, geschmückt und verehrt. Ein heiliger Raum der Schönheit und der Harmonie wird geschaffen, der uns daran erinnert, daß all das in uns selbst liegt....Shiva, Shakti, der paradisische Garten und sämtliche Gottheiten...

 

 

Ma, Königin des Universums! Immer wird sie in meinem Herzen erstrahlen. Wenn diese physische Hülle welk geworden ist und danach strebt wieder Teil der Erde zu werden, dann wird die Verklärung beim inneren Anblick der Angebeteten in meinem Herzen heller erstrahlen denn je....

 

 

 

 

JAI MA!

 

 

 

 

 

 

 

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"Ashramlife & Joyful Journeys"

 

Unsere erste gemeinsame Gruppenreise ist gerade zu Ende gegangen. Es war eine Zeit vieler wunderbarer Impressionen.

 

Die erste Woche konnten die Teilnehmer das Ashramleben kosten, die friedliche Energie, die spirituelle Atmosphäre auf sich wirken lassen. Sie konnten erleben, wie die Sinne wieder feinfühliger werden, aufnahmefähig für die vielen kleinen Wunder der Natur, die sich ununterbrochen um uns herum ereignen. Der Lauf der Sonne, die Phasen des Mondes, die Formationen der Vögel am Himmel, das geschäftige Treiben der Streifenhörnchen, die unendlichen Variationen an Blüten, an kleinen Vögeln, die wahre Schmuckstücke sind – schillernde Farben, filigran geformte kleine Körperchen, und das beständige Rauschen der Narmada...

 

Die tägliche Meditation und Swakriya Yoga Praxis mit den 5 Elementen gab den Rahmen für diese Selbsterfahrung. So vertieften wir uns jeden Tag in eines der Bhavas (innere subtile Stimmungen) – Entschleunigung und Erdung, Leichtigkeit und Lebensfreude, Klarheit und Ausrichtung, Dankbarkeit und Liebe, Freiheit und Einssein.

 

In der zweiten Woche waren wir gemeinsam auf einer freudvollen Reise, wo wir faszinierende jahrtausendealte Zeugnisse menschlicher Kultur besuchten und die Ursprünglichkeit des Nationalparks Satpura und dem Tigerreservat Pachmarhi erlebten.

 

Ich darf ein paar meiner eindrücksvollsten Erfahrungen mit Euch teilen.

 

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Sylvester im Ashram...wir heißen das neue Jahr willkommen!

 

Wir wußten wir würden feiern, doch bis zum Nachmittag des 31.12.2017 gab es noch keinen Plan wie sich das Fest gestallten würde. Dann wurde spontan entschieden das neue Jahr in der Yogashala willkommen zu heißen. Die Yogashala ist eine große  kreisrunde Struktur, mit dicken Steinsäulen, gedeckt mit einem Bambusdach, nach allen Seiten hin offen, die Narmadaebene überblickend. Mit einem kleinen Altar in dem ein wunderschöner weißer Ganesha mit lieblichen Augen thront. Mit seinem dicken Bauch und seiner Vorliebe für Laddus (indische Nascherei) erinnert er uns an die Ruhe und Gelassenheit und an die Süße des Lebens.

 

 

 

Nachdem abgewägt wurde, ob es wohl sicher wäre in der Mitte der runden Halle ein Feuer zu entzünden und entschlossen wurde es vertrauensvoll zu wagen, wurde die Feuerstelle vorbereitet – ein quadratisches großes Blech und ein paar Ziegel rundherum. Als es dunkel wird beginnen die Kinder die ganze Yogashalla rundherum mit Lichtern (Deepaks - kleine Tonschälchen mit Öl und Docht) zu schmücken. Teppiche werden ausgelegt, die Musikinstrumente werden gebracht, und schön langsam versammeln wir uns alle. Warm eingepackt und schon etwas schläfrig nehmen wir auf den Teppichen Platz. Das Feuer wird entzündet und die Flammen tauchen die ganze Yogashala in warmes oranges Licht. Es wird begonnen die traditionellen spirituellen Hymnen zu singen, zu Ehren von Ma Anandamayi, zu Ehren des Flußes Narmada, zu Ehren von Shiva... Es ist besinnlich und stimmungsvoll. Es sind die letzten Stunden des Jahres 2017, welches für mich sowohl unglaublichen Segen als auch riesige Herausforderungen brachte. Während ich innerlich noch einmal das alte Jahr Revue passieren lasse, halten die lodernden Flammen meinen Blick gefangen und geben meinem Geist Fokus und Ausrichtung. Es ist ein emotionaler Moment – die großen Wachstumsaufforderungen und inneren Widerstände einerseits, und die große Schönheit des Augenblicks andererseits. Das Feuer erfüllt seine Funktion - ich sehe mit Klarheit, daß alles woran wir uns zu festhalten früher oder später Schmerz erzeugt – vergangene Verletzungen und persönliche Lebensdramen genauso wie die glorreichen Hochgefühle glückerfüllter Momente. Drum bin ich nun bereit wirklich alles diesen Flammen anzuvertrauen, einfach und bescheiden zu sein, alles Weitere in die Hände des Lebens zu legen, wissend, daß diese Kraft mit unendlicher Weisheit, Liebe und Genialität alles ordnet, alles lenkt, alles vermag – vorrausgesetzt man läßt sie ohne sich mit seinen eigenen begrenzten Vorstellungen in den Weg zu stellen.

 

 

Nach ein paar Ansprachen und ein paar Komikeinlagen in Hindi über die alle herzhaft lachen außer den gleichmütig dreinschauenden "Westerners", die nichts verstanden haben, beginnen die Musiker mit ihrem Repertoir “tanzbarer Lieder“. Die Kinder wie die Erwachsenen müßen sich nicht erst bitten lassen und die Hälfte der rund 60 Anwesenden erhebt sich zum Tanz. Die Kinder hüpfen und springen zusammen im Kreis, die Erwachsenen bewegen sich ausgelassen durch den Raum, mal tanzen wir alle in schneller Geschwindigkeit um das Feuer, mal formen sich die Kreise anderswo im Raum. Es ist ein einziger dynamischer Fluß, spontan und organisch... Ein Lied nach dem anderen, alle Müdigkeit ist weggeblasen, auch alle Kälte und alle Melancholie. Was für eine Party! Die schützende Dunkelheit, das sanfte Mondlicht, die Kerzen rundherum, das Feuer, die berührenden Melodien und leidenschaftliche Stimme des Sängers, die Texte, die von der tiefsten Sehnsucht nach dem Göttlichen und der höchsten ekstatischen Freude der Erfüllung sprechen, die packenden Rhythmen der Trommel, die Ausgelassenheit von Jung und Alt...

 

 

Mitternacht nähert sich und wir beginnen das Lied des Ashram zu singen “Om Ma Sharanam“...“Mutter wir sind in Deiner Obhut“. Zu Mitternacht folgt Swamiji seiner spontanen Inspiration und läßt uns alle einen Kreis bilden, die Hände haltend mit dem Gefühl, daß das Göttliche uns immer an den Händen hält und in Form aller Erscheinungen jederzeit an unserer Seite ist. Gemeinsam die Hände hochhebend wiederholen wir das Mahamrtyunjaya Mantra für Schutz und Segen im neuen Jahr. Danach, wie es so üblich ist, wünscht Jeder Jedem “Happy New Year!“ was bei 60 Leuten eine weile dauert.

 

Auch das rauschendste Fest hat ein Ende. Das Feuer ist heruntergebrannt und es wird nicht mehr nachgelegt. Alle bewegen sich zu ihren Zimmern. Der Mond scheint hell. Morgen Früh um 6 Uhr beginnen wie jeden Tag die Zeremonien....

 

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Ein neues zu Hause!

 

Ich liebe die klare, frische Energie von Neubeginnen. Eine Chance alten Ballast hinter sich zu lassen und eine neue, bessere Version des Lebens entstehen zu lassen.

 

Ich bin freudig und aufgeregt wie ein kleines Kind, als ich jeden Tag Schritt für Schritt beobachte wie mein neues Zu Hause entsteht, das ich nach meinen Vorstellungen mitgestallte. Ich erlebe wie die Ziegel aufeinandergesetzt werden, der Verputz gemacht wird, das Dach auf das fertige Gemäuer kommt, wie das Badezimmer, die Kochnische und der Boden verfließt werden, wie die Waschbecken montiert, das Balkongeländer geschmiedet wird, wie die Steine für den Weg gesetzt werden, der bestellte Kasten kommt...

Die Baustelle ist seit ich hier bin mein liebster Ort. Oft sitze ich vor dem Schlafengehen bei Sternenhimmel im Rohbau und geniesse einfach die Energie des Ortes.

 

Ich freue mich total über die 2 hübschen kleinen Tischchen, die wir erstanden haben, denn die Auswahl im 30 Minuten entfernten Dorf ist sehr begrenzt. Einen Puja-Tisch und einen kniehohen Tisch, der wahlweise als Ess- , Arbeits- und Balkontisch dienen wird. Und eine mit Baumwolle gefüllte weiche „Matratze“ in ansprechenden Farben, die sogar zu den Vorhängen passt. Und, richtig gefaltet, geht sie als Sofa durch. Perfekt!

 

Die Elektrokochplatte ist die reinste Freude, und der Trinkwasserkontainer mit Zapfhahn im Zimmer der pure Luxus. Ich habe eine eigene Küche! Winzigklein zwar, aber mit dem richtigen Platzmanagement voll funktional. Morgen kommt ein dazupassender winzigkleiner Kühlschrank. Und auch eine kleiner Boiler für warmes Wasser im Bad wird geliefert! All das erzeugt in mir Aufregung und Freude, denn diese Dinge sind hier alles andere als selbstverständlich und ich dachte immer auf diese Dinge hier verzichten zu müssen. Ohne darum gebeten zu haben werden mir diese Kostbarkeiten angeboten, und obwohl ich erst recht ungläubig dreinschaue und mich auf den Arm genommen fühle, ist nicht viel Überredungskunst nötig, damit ich zustimme. Und warum nicht? Ich betrachte es als Investition für die Zukunft. Es geht nicht bloß um momentanen Komfort, oder darum sich in Askese zu üben, sondern darum hier auch dauerhaft gut leben zu können. Das Pendeln und Arbeiten zwischen 2 Kontinenten bringt genügend Strapazen mit sich. Diese Dinge machen das Leben hier (und vor allem den langwierigen Genesungsprozess in dem ich mich befinde) so viel leichter. Ich bin ja nahezu die Hälfte des Jahres hier. Nicht bloß ein Gästezimmer sondern ein echtes zu Hause zu haben bringt große Erleicherung. Ich kann nun die meisten meiner Sachen hier lassen und muss nicht jedes Mal alles hin- und hertransportieren.

 

Sobald die Fenster und Türen drin sind, werden die Vorhangstangen montiert und die extrem billigen aber dafür geschmackvollen lindgrünen Vorhänge aufgehängt, die wir ebenfalls im kleinen Ort Baruwa erstanden haben. Ein paar Glühbirnen werden eingeschraubt und ich bin total entzückt über die einfache Beleuchtung. Ein nicht verwendetes Bett wird aus einem anderen Zimmer geholt.

 

Nun bin ich nicht mehr zu halten und ziehe auch schon ein. Schlichte mit Hingabe meine Sachen in den schönen neuen Kasten. Das Leben aus dem Koffer hat ein Ende.

 

Es ist ganz eigenartig, denn ich fühle mich sofort total zu Hause. Es erscheint fast wie ein Wunder, wie sich der im stillen gehegte Traum vom zukünftigen kleinen zu Hause in Ma Sharanam innerhalb kürzester Zeit manifestiert hat. Völlig unverhofft und mühelos. Und plötzlich steht es da und ist mir so vertraut, als hätte ich schon lange darin gewohnt.

 

Die erste Nacht ist trotz heimatlicher Gefühle etwas aufregend und der Schlaf nicht besonders tief. Aber in der Früh sehe ich von meinem Bett aus durch das große Fenster wie die Sonne am Horizont aufsteigt. Ich sitze an die Wand gelehnt zur ersten Morgenmeditation mit den 5 Elementen, während das Zimmer in goldenes Licht getaucht wird. Nach der ersten Dusche (daweile noch mit Eimer und händischem Heizstab) setze ich mich zur morgendlichen Puja. Ich spüre die klare reine positive Energie des Platzes und fühle mich in der Praxis sehr inspiriert und unterstützt.

 

Ich höre die Mantras der Feuerzeremonie, denn die Yagya Shala ist nur wenige Meter entfernt, und, da ich den Ablauf gut kenne, höre ich genau wann sie beendet sein wird, und wir uns alle zum Frühstück in der Morgensonne treffen werden.

 

Swamiji scheint nicht weniger freudig und aufgeregt, als er an meine Türe klopft um mir den ersten Besuch abzustatten und zu fragen, wie sich das neue zu Hause anfühlt.

 

Nur ein zwei Tage später ist “Wintereinbruch“. Die nächtlichen Temperaturen sind um einige Grade gefallen und ich organisiere mir jede Nacht eine zusätzliche Decke. Die Nase ist in der Früh beim Aufwachen ganz kalt und die Strahlen der aufgehenden Sonne umso mehr willkommen. Es war auch etwas stürmisch in der Nacht und nun bemerke ich, daß die Türen schleissig eingebaut wurden. Rundherum ist ein breiter Spalt und ich spüre, wie der kalte Wind durchs Zimmer weht, Kleine Blätter wehen unter der Türe herein und große schwarze Ameisen marschieren unbesorgt ein und aus....mehr ein als aus.

 

Auch frage ich mich nun, warum eigentlich das Dach nicht “geschlossen wird“, denn der Giebel liegt nur locker obendrauf und Licht und kalte Luft kommen durch. Und wenn die Streifenhörnchen laut pfeifend und aufgeregt zwitschernd am Dach herumtollen, dann taucht hin und wieder ein buschiger Schweif zwischen den Dachplatten am Giebel auf, was ja durchaus entzückend ist. Aber wir beschließen, daß es doch klüger ist eine Decke einzuziehen. Die Betonplatten dafür wurden heute geliefert... Die Türen wurden heute nachgebessert und mit einer Art Isolation versehen.

 

Letzte Nacht schlief ich mit Wollmütze.....

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