Yoga Blog


Göttliche Schönheit

 

Schönheit....

 

das Göttliche berührt uns auf viele verschiedene Arten und Weisen. Je nach unserer persönlichen Disposition erscheint es uns so wie es uns entspricht.

 

Als Ma Anandamayi gefragt wurde, Ma wer bist Du?, antwortete sie „Was auch immer Du mir zuschreibst, wie auch immer Du mich sehen möchtest, das bin ich.“

 

 

Für mich war es schon immer die Schönheit, die mir meine/n ungreifbare/n Geliebte spürbar und erfahrbar machte. Der sanft leuchtende Vollmond der die Birkenblätter vor meinem Kinderzimmerfenster versilberte, ein golden glühender Sonnenaufgang über dem weiten Meer an der spanischen Costa Blanca auf meinem Weg zur Arbeit, das kristallklare kalte Wasser der österreichischen Flüsse und Seen welches eine mystische Unterwasserlandschaft Preis gibt, die unfassbare Zartheit und Lieblichkeit, die ein tiefer Blick in eine Blüte freigibt... Die Schönheit der Natur hat meine Seele schon immer am tiefsten bewegt, hat mein Herz sich sehnen lassen nach dem unergründlichen unermesslichen Wesen, dem/der mystischen Geliebten, hat mein Herz singen lassen in ekstatischer Feier des Lebens....

 

 

 

Wie gesegnet ich mich fühle, daß Ma sich in meinem Leben manifestiert hat als die Göttin der Schönheit, die Königin der drei Welten, die ich verehren darf, deren Mantras und Gebete ich sprechen darf, die mich als ihre Tochter angenommen hat. Die morgendliche Sri Puja ist meine tägliche Erinnerung an meine Quelle, meinen Ursprung, meine Mutter und meine wahre Natur, und sie ist eine Praxis der Schönheit! Mit Blüten, mit Kerzen, mit Düften und süßen Früchten und anderen Kostbarkeiten wir das göttliche Weibliche Prinzip, zusammen mit Ihrem ewigen Gemahl, dem männlichen Prinzip, geschmückt und verehrt. Ein heiliger Raum der Schönheit und der Harmonie wird geschaffen, der uns daran erinnert, daß all das in uns selbst liegt....Shiva, Shakti, der paradisische Garten und sämtliche Gottheiten...

 

 

Ma, Königin des Universums! Immer wird sie in meinem Herzen erstrahlen. Wenn diese physische Hülle welk geworden ist und danach strebt wieder Teil der Erde zu werden, dann wird die Verklärung beim inneren Anblick der Angebeteten in meinem Herzen heller erstrahlen denn je....

 

 

 

 

JAI MA!

 

 

 

 

 

 

 

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"Ashramlife & Joyful Journeys"

 

Unsere erste gemeinsame Gruppenreise ist gerade zu Ende gegangen. Es war eine Zeit vieler wunderbarer Impressionen.

 

Die erste Woche konnten die Teilnehmer das Ashramleben kosten, die friedliche Energie, die spirituelle Atmosphäre auf sich wirken lassen. Sie konnten erleben, wie die Sinne wieder feinfühliger werden, aufnahmefähig für die vielen kleinen Wunder der Natur, die sich ununterbrochen um uns herum ereignen. Der Lauf der Sonne, die Phasen des Mondes, die Formationen der Vögel am Himmel, das geschäftige Treiben der Streifenhörnchen, die unendlichen Variationen an Blüten, an kleinen Vögeln, die wahre Schmuckstücke sind – schillernde Farben, filigran geformte kleine Körperchen, und das beständige Rauschen der Narmada...

 

Die tägliche Meditation und Swakriya Yoga Praxis mit den 5 Elementen gab den Rahmen für diese Selbsterfahrung. So vertieften wir uns jeden Tag in eines der Bhavas (innere subtile Stimmungen) – Entschleunigung und Erdung, Leichtigkeit und Lebensfreude, Klarheit und Ausrichtung, Dankbarkeit und Liebe, Freiheit und Einssein.

 

In der zweiten Woche waren wir gemeinsam auf einer freudvollen Reise, wo wir faszinierende jahrtausendealte Zeugnisse menschlicher Kultur besuchten und die Ursprünglichkeit des Nationalparks Satpura und dem Tigerreservat Pachmarhi erlebten.

 

Ich darf ein paar meiner eindrücksvollsten Erfahrungen mit Euch teilen.

 

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Sylvester im Ashram...wir heißen das neue Jahr willkommen!

 

Wir wußten wir würden feiern, doch bis zum Nachmittag des 31.12.2017 gab es noch keinen Plan wie sich das Fest gestallten würde. Dann wurde spontan entschieden das neue Jahr in der Yogashala willkommen zu heißen. Die Yogashala ist eine große  kreisrunde Struktur, mit dicken Steinsäulen, gedeckt mit einem Bambusdach, nach allen Seiten hin offen, die Narmadaebene überblickend. Mit einem kleinen Altar in dem ein wunderschöner weißer Ganesha mit lieblichen Augen thront. Mit seinem dicken Bauch und seiner Vorliebe für Laddus (indische Nascherei) erinnert er uns an die Ruhe und Gelassenheit und an die Süße des Lebens.

 

 

 

Nachdem abgewägt wurde, ob es wohl sicher wäre in der Mitte der runden Halle ein Feuer zu entzünden und entschlossen wurde es vertrauensvoll zu wagen, wurde die Feuerstelle vorbereitet – ein quadratisches großes Blech und ein paar Ziegel rundherum. Als es dunkel wird beginnen die Kinder die ganze Yogashalla rundherum mit Lichtern (Deepaks - kleine Tonschälchen mit Öl und Docht) zu schmücken. Teppiche werden ausgelegt, die Musikinstrumente werden gebracht, und schön langsam versammeln wir uns alle. Warm eingepackt und schon etwas schläfrig nehmen wir auf den Teppichen Platz. Das Feuer wird entzündet und die Flammen tauchen die ganze Yogashala in warmes oranges Licht. Es wird begonnen die traditionellen spirituellen Hymnen zu singen, zu Ehren von Ma Anandamayi, zu Ehren des Flußes Narmada, zu Ehren von Shiva... Es ist besinnlich und stimmungsvoll. Es sind die letzten Stunden des Jahres 2017, welches für mich sowohl unglaublichen Segen als auch riesige Herausforderungen brachte. Während ich innerlich noch einmal das alte Jahr Revue passieren lasse, halten die lodernden Flammen meinen Blick gefangen und geben meinem Geist Fokus und Ausrichtung. Es ist ein emotionaler Moment – die großen Wachstumsaufforderungen und inneren Widerstände einerseits, und die große Schönheit des Augenblicks andererseits. Das Feuer erfüllt seine Funktion - ich sehe mit Klarheit, daß alles woran wir uns zu festhalten früher oder später Schmerz erzeugt – vergangene Verletzungen und persönliche Lebensdramen genauso wie die glorreichen Hochgefühle glückerfüllter Momente. Drum bin ich nun bereit wirklich alles diesen Flammen anzuvertrauen, einfach und bescheiden zu sein, alles Weitere in die Hände des Lebens zu legen, wissend, daß diese Kraft mit unendlicher Weisheit, Liebe und Genialität alles ordnet, alles lenkt, alles vermag – vorrausgesetzt man läßt sie ohne sich mit seinen eigenen begrenzten Vorstellungen in den Weg zu stellen.

 

 

Nach ein paar Ansprachen und ein paar Komikeinlagen in Hindi über die alle herzhaft lachen außer den gleichmütig dreinschauenden "Westerners", die nichts verstanden haben, beginnen die Musiker mit ihrem Repertoir “tanzbarer Lieder“. Die Kinder wie die Erwachsenen müßen sich nicht erst bitten lassen und die Hälfte der rund 60 Anwesenden erhebt sich zum Tanz. Die Kinder hüpfen und springen zusammen im Kreis, die Erwachsenen bewegen sich ausgelassen durch den Raum, mal tanzen wir alle in schneller Geschwindigkeit um das Feuer, mal formen sich die Kreise anderswo im Raum. Es ist ein einziger dynamischer Fluß, spontan und organisch... Ein Lied nach dem anderen, alle Müdigkeit ist weggeblasen, auch alle Kälte und alle Melancholie. Was für eine Party! Die schützende Dunkelheit, das sanfte Mondlicht, die Kerzen rundherum, das Feuer, die berührenden Melodien und leidenschaftliche Stimme des Sängers, die Texte, die von der tiefsten Sehnsucht nach dem Göttlichen und der höchsten ekstatischen Freude der Erfüllung sprechen, die packenden Rhythmen der Trommel, die Ausgelassenheit von Jung und Alt...

 

 

Mitternacht nähert sich und wir beginnen das Lied des Ashram zu singen “Om Ma Sharanam“...“Mutter wir sind in Deiner Obhut“. Zu Mitternacht folgt Swamiji seiner spontanen Inspiration und läßt uns alle einen Kreis bilden, die Hände haltend mit dem Gefühl, daß das Göttliche uns immer an den Händen hält und in Form aller Erscheinungen jederzeit an unserer Seite ist. Gemeinsam die Hände hochhebend wiederholen wir das Mahamrtyunjaya Mantra für Schutz und Segen im neuen Jahr. Danach, wie es so üblich ist, wünscht Jeder Jedem “Happy New Year!“ was bei 60 Leuten eine weile dauert.

 

Auch das rauschendste Fest hat ein Ende. Das Feuer ist heruntergebrannt und es wird nicht mehr nachgelegt. Alle bewegen sich zu ihren Zimmern. Der Mond scheint hell. Morgen Früh um 6 Uhr beginnen wie jeden Tag die Zeremonien....

 

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Ein neues zu Hause!

 

Ich liebe die klare, frische Energie von Neubeginnen. Eine Chance alten Ballast hinter sich zu lassen und eine neue, bessere Version des Lebens entstehen zu lassen.

 

Ich bin freudig und aufgeregt wie ein kleines Kind, als ich jeden Tag Schritt für Schritt beobachte wie mein neues Zu Hause entsteht, das ich nach meinen Vorstellungen mitgestallte. Ich erlebe wie die Ziegel aufeinandergesetzt werden, der Verputz gemacht wird, das Dach auf das fertige Gemäuer kommt, wie das Badezimmer, die Kochnische und der Boden verfließt werden, wie die Waschbecken montiert, das Balkongeländer geschmiedet wird, wie die Steine für den Weg gesetzt werden, der bestellte Kasten kommt...

Die Baustelle ist seit ich hier bin mein liebster Ort. Oft sitze ich vor dem Schlafengehen bei Sternenhimmel im Rohbau und geniesse einfach die Energie des Ortes.

 

Ich freue mich total über die 2 hübschen kleinen Tischchen, die wir erstanden haben, denn die Auswahl im 30 Minuten entfernten Dorf ist sehr begrenzt. Einen Puja-Tisch und einen kniehohen Tisch, der wahlweise als Ess- , Arbeits- und Balkontisch dienen wird. Und eine mit Baumwolle gefüllte weiche „Matratze“ in ansprechenden Farben, die sogar zu den Vorhängen passt. Und, richtig gefaltet, geht sie als Sofa durch. Perfekt!

 

Die Elektrokochplatte ist die reinste Freude, und der Trinkwasserkontainer mit Zapfhahn im Zimmer der pure Luxus. Ich habe eine eigene Küche! Winzigklein zwar, aber mit dem richtigen Platzmanagement voll funktional. Morgen kommt ein dazupassender winzigkleiner Kühlschrank. Und auch eine kleiner Boiler für warmes Wasser im Bad wird geliefert! All das erzeugt in mir Aufregung und Freude, denn diese Dinge sind hier alles andere als selbstverständlich und ich dachte immer auf diese Dinge hier verzichten zu müssen. Ohne darum gebeten zu haben werden mir diese Kostbarkeiten angeboten, und obwohl ich erst recht ungläubig dreinschaue und mich auf den Arm genommen fühle, ist nicht viel Überredungskunst nötig, damit ich zustimme. Und warum nicht? Ich betrachte es als Investition für die Zukunft. Es geht nicht bloß um momentanen Komfort, oder darum sich in Askese zu üben, sondern darum hier auch dauerhaft gut leben zu können. Das Pendeln und Arbeiten zwischen 2 Kontinenten bringt genügend Strapazen mit sich. Diese Dinge machen das Leben hier (und vor allem den langwierigen Genesungsprozess in dem ich mich befinde) so viel leichter. Ich bin ja nahezu die Hälfte des Jahres hier. Nicht bloß ein Gästezimmer sondern ein echtes zu Hause zu haben bringt große Erleicherung. Ich kann nun die meisten meiner Sachen hier lassen und muss nicht jedes Mal alles hin- und hertransportieren.

 

Sobald die Fenster und Türen drin sind, werden die Vorhangstangen montiert und die extrem billigen aber dafür geschmackvollen lindgrünen Vorhänge aufgehängt, die wir ebenfalls im kleinen Ort Baruwa erstanden haben. Ein paar Glühbirnen werden eingeschraubt und ich bin total entzückt über die einfache Beleuchtung. Ein nicht verwendetes Bett wird aus einem anderen Zimmer geholt.

 

Nun bin ich nicht mehr zu halten und ziehe auch schon ein. Schlichte mit Hingabe meine Sachen in den schönen neuen Kasten. Das Leben aus dem Koffer hat ein Ende.

 

Es ist ganz eigenartig, denn ich fühle mich sofort total zu Hause. Es erscheint fast wie ein Wunder, wie sich der im stillen gehegte Traum vom zukünftigen kleinen zu Hause in Ma Sharanam innerhalb kürzester Zeit manifestiert hat. Völlig unverhofft und mühelos. Und plötzlich steht es da und ist mir so vertraut, als hätte ich schon lange darin gewohnt.

 

Die erste Nacht ist trotz heimatlicher Gefühle etwas aufregend und der Schlaf nicht besonders tief. Aber in der Früh sehe ich von meinem Bett aus durch das große Fenster wie die Sonne am Horizont aufsteigt. Ich sitze an die Wand gelehnt zur ersten Morgenmeditation mit den 5 Elementen, während das Zimmer in goldenes Licht getaucht wird. Nach der ersten Dusche (daweile noch mit Eimer und händischem Heizstab) setze ich mich zur morgendlichen Puja. Ich spüre die klare reine positive Energie des Platzes und fühle mich in der Praxis sehr inspiriert und unterstützt.

 

Ich höre die Mantras der Feuerzeremonie, denn die Yagya Shala ist nur wenige Meter entfernt, und, da ich den Ablauf gut kenne, höre ich genau wann sie beendet sein wird, und wir uns alle zum Frühstück in der Morgensonne treffen werden.

 

Swamiji scheint nicht weniger freudig und aufgeregt, als er an meine Türe klopft um mir den ersten Besuch abzustatten und zu fragen, wie sich das neue zu Hause anfühlt.

 

Nur ein zwei Tage später ist “Wintereinbruch“. Die nächtlichen Temperaturen sind um einige Grade gefallen und ich organisiere mir jede Nacht eine zusätzliche Decke. Die Nase ist in der Früh beim Aufwachen ganz kalt und die Strahlen der aufgehenden Sonne umso mehr willkommen. Es war auch etwas stürmisch in der Nacht und nun bemerke ich, daß die Türen schleissig eingebaut wurden. Rundherum ist ein breiter Spalt und ich spüre, wie der kalte Wind durchs Zimmer weht, Kleine Blätter wehen unter der Türe herein und große schwarze Ameisen marschieren unbesorgt ein und aus....mehr ein als aus.

 

Auch frage ich mich nun, warum eigentlich das Dach nicht “geschlossen wird“, denn der Giebel liegt nur locker obendrauf und Licht und kalte Luft kommen durch. Und wenn die Streifenhörnchen laut pfeifend und aufgeregt zwitschernd am Dach herumtollen, dann taucht hin und wieder ein buschiger Schweif zwischen den Dachplatten am Giebel auf, was ja durchaus entzückend ist. Aber wir beschließen, daß es doch klüger ist eine Decke einzuziehen. Die Betonplatten dafür wurden heute geliefert... Die Türen wurden heute nachgebessert und mit einer Art Isolation versehen.

 

Letzte Nacht schlief ich mit Wollmütze.....

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Die Pilgerreise nach Amarkantak...

 

Unser Bus prescht holpernd und wankend durch den Bundesstaat Madhya Pradesh. Genauer kann ich es leider nicht lokalisieren, denn ich bin vor 2 Tagen erst aus Europa in Indien angekommen. Besser gesagt ich bin eigentlich noch nicht ganz angekommen, und während ich noch damit beschäftigt bin alle meine Anteile energetisch zusammen zu sammeln, werde ich schon weiter durcheinandergewürfelt. Und zwar gründlich. Ich habe dieses Gefährt zugegebenermaßen etwas blauäugig bestiegen um meine Ashramfamilie zu begleiten und nicht alleine zurück zu bleiben. Die in mir aufsteigenden Ahnungen, daß es eventuell "holprig“ werden könnte, habe ich ignoriert. Nun muß es durchgestanden werden. 7 Tage lang, mit allen Höhen und Tiefen.

 

Das Ziel der Reise ist Amarkantak, die Quelle des heiligen Flußes Narmada, an diessen Ufer unser Ashram liegt. Es heißt, daß alleine der Anblick von Narmada von allem Übel befreit und den höchsten Segen schenkt. Zum Ursprung dieser verehrten Kraft vorzudringen ist dementsprechend bedeutungsvoll.

 

Es ist ein weiterer Tag vieler vieler Stunden in dem Gefährt in dem wir begonnen haben uns zu Hause zu fühlen. Zum Zeitvertreib wird natürlich gesungen. Das ist eigentlich eine starke Untertreibung. Es handelt sich eher um ein fahrendes Musikfestival, wo sich fantastische Sänger und Musiker abwechseln. Mikrophone sind dabei und eine große Lautsprecherbox (sonst wäre es nicht Indien), die im Mittelgang platziert wird. Harmonium und Dholak (Trommel) sind sowieso eine Selbstverständlichkeit.

 

Wenn wir unsere Tagesfahrten in der Früh beginnen, dann wird zuerst einmal das Mahamrtyunjaya Mantra, das wichtigste Schutzmantra, 108x wiederholt. Das werden wir auch brauchen, denn wenn es erst mal finster ist und unser sowohl langer, hoher als auch breiter Bus durch die schmalen, kurvigen Strassen prescht, dann geht es sich manchmal nur haarscharf aus, daß der Gegenverkehr (gelegentliche Laster, die hupend und nicht weniger rasant unterwegs sind) nicht mit uns kollidieren. Doch davon läßt sich niemand irritieren. Im Gegenteil! Nicht nur der Bus, sondern auch die Partygesellschaft ist davon ungebremst - in voller Fahrt!

 

In der Mitte befindet sich gerade Maheshji – ein Traum von einem Schuldirektor – mit dem Mikrophon in der Hand singend und wild tanzend. Der Trommler haut dazu ordentlich in die Felle, und holt alles an Lautstärker heraus, die Finger des Harmoniumspielerers tanzen mühelos und in rasender Geschwindigkeit über die Tastatur. Rundherum zwischen den Sitzreihen kreuz und quer eine wilde Bande – die Schüler unterschiedlichen Alters, von 6 – 20, und die 4 Didis (junge Lehrerinnen), außerdem Swamiji`s Familie, und zwei ältere indische Ladies...und meine Wenigkeit.

 

Insgesamt ca. 60 Personen.

 

Niemand kommt auf die Idee sorgenvoll das Strassengeschehen mitzuverfolgen und vielleicht zu kontrollieren, ob der Fahrer nach 10 Stunden Fahrt nicht doch schon am Einschlafen ist. Alle befinden sich in Hingabe an die Situation, in der einen oder anderen Form – entweder in unbequemer Haltung schlafend, oder wild feiernd.

 

….zur Zeit is alles ruhig. Es ist später Vormittag und die meisten schlafen. Die Köpfe entweder an den Sitznachbarn gelehnt oder in hängender oder im Nacken irgendwie abgeknickter Position. Bald gibt es eine Pause für`s Mittagessen (so denke ich zumindest), welches schnell und effizient mit mitgebrachten Kochutensilien im Schatten von Bäumen zubereitet wird. Die geeignete Stelle an der 60 Leute spontan lagern können, muß freilich auch erst mal gefunden werden.....

 

….es wurde beschlossen keine Pause zu machen und das Mittagessen kurzerhand ausfallen zu lassen (zu meinem Entsetzen), da die meisten nicht hungrig sind. Leider gehöre ich nicht zu dieser Mehrheit. Ich habe mir den Bauch beim Frühstück nicht mit weißem labbrigem Toastbrot, Butter und Marmelade vollgeschlagen, in Erwartung eines nahrhafteren Mittagessens, welches meiner Gesundheit zuträglicher wäre (ich befinde mich in einem langwierigen Genesungsprozess, der mit der Ernährung steigt und fällt).

 

Gut, langsam wird mein bequemer, alle Annehmlichkeiten gewöhnter, europäischer Geist wieder flexibler. Das empörte Entsetzen über die verschiedenen „unzumutbaren“ Zustände und Situationen in denen ich mich befinde wallt mit jedem Mal weniger auf.  Ich gehe nun nicht ins Detail, aber wer in Indien schon mal low-budget gereist ist, und bei 60 Reisenden ist das nicht anders leistbar, weiß wahrscheinlich was ich meine. Jedenfalls füge ich mich langsam wieder in das größere Ganze, denn der innere Widerstand ist völlig zwecklos. Und worum geht es in der Spiritualität, wenn nicht darum? Die engen Begrenzungen des eigenen Ego, mit seinen eingefahrenen Gewohnheiten, fixen Vorstellungen, Erwartungen, und Beurteilungen, aufzulösen... Unser Bewußtsein zu befreien von der Illusion, daß wir dieses Ego, dieser Körper, dieser Charakter wären... Den goldenen Käfig zu öffnen und den wunderschönen Vogel in all seiner Pracht fliegen zu lassen, sich wiederzuvereinigen mit dem Schwarm seiner Artgenossen, in Freiheit zu sein, einer von vielen, ein Teil des Ganzen, in Harmonie mit dem Ganzen. Mit Leichtigkeit und Grazie, in perfekter Synchronizität bewegt sich der Schwarm durch die Lüfte. Alles geschieht einfach und mühelos, wie von einer unsichtbaren Kraft gelenkt. So ein Vogel pfeifft darauf einen Namen und eine Identität zu haben, auf die Sicherheit des Überlebens im Schutz des Käfigs, auf das täglich vorgesetzte Futter. Seine wahre Natur ist die Unbegrenztheit

Möge mein Geist so wie dieser Vogel zur Türe meines Käfigs hinausfliegen und eins werden mit der unendlichen Weite, sich ganz der höheren Führung überlassen, sorglos und frei. Komme was wolle.

 

Wer schon einmal in die Augen eines Neugeborenen geblickt hat, der hat vielleicht die eigenwillige Erfahrung gemacht in die Leere zu schauen. Unendliche Weite, unendliches altes Wissen, vollkommene Präsenz, reines Bewußtsein, aber keine Persönlichkeit, kein Ego, keine Identifikation mit diesem kleinen Körper, keine Beurteilungen, keine Gedanken..... Noch nicht...

 

Aus vielen Erfahrungsberichten geht hervor, daß die Menschen bei der außergewöhnlichen Heiligen, Ma Anandamayi, eine ähnliche Erfahrung hatten. Sie trafen in Ihr kein Ego an, keine Persönlichkeit, keine Identifikation mit „diesem Körper“ (wie sie sich selbst bezeichnete). Dafür aber erfuhren sie eine unwiderstehliche Anziehung und Liebe, ein überwältigendes Gefühl der Vertrautheit, so als würden sie nach Hause kommen und in „Ma“ ihr eigenes wahres Wesen erkennen...

 

...doch nun zurück in die 4 Wände des Busses und die Grenzen meines Geistes. Es ist der 5. Tag und wir befinden uns auf dem Rückweg. Unser von allen heiß ersehnter Zwischenstop ist in Pachmarhi geplant, im weitläufigen Satpura Nationalpark. Als wir in das Waldgebiet einfahren weht plötzlich eine kühle, sauerstoffreiche Brise zum offenen Fenster herein, die Lungen machen spontan einen tiefen Atemzug, als würden sie aus einem Dornröschenschlaf erwachen. Was für eine Wohltat nach den vergangenen Tagen in staubiger dicker Luft und Hitze! Meinem Geistkäfig wird erstmal nicht mehr auf die Pelle gerückt durch widrige äußere Umstände. Es eröffnet sich uns eine weite Aussicht auf bewaldete Berge und Täler. Ursprünglich muß ganz Madhya Pradesh von diesem Urwald überzogen gewesen sein....

 

Ich stelle mich in die offene Türe auf das Trittbrett, lehne mich weit hinaus und genieße den Fahrtwind.... Dabei halte ich mich sehr gut fest um nicht bei einer schwundvollen Kurve in hohem Bogen auf der Strasse zu landen. Auch werde ich sorgenvoll beäugt und eindringlich gebeten mich gut festzuhalten. Einer der Burschen sitzt wie auf heißen Kohlen, bereit jederzeit aufzuspringen und mich zu schnappen... Und so setzte ich mich bald wieder sittsam auf meinen Platz.

 

...nach 7 Tagen gemeinsam durchlebter Abenteuer, Höhen und Tiefen, fühlen wir uns zusammengeschweißt und kehren siegreich zurück - es ist geschafft und wir haben uns das frohe Gemüt (meistens) beibehalten - das ist die größte Errungenschaft dieser Reise. Doch nun sind wir glücklich nach Ma Sharanam nach Hause zu kommen, ausgiebig zu duschen, die Kleidung zu waschen und gut zu Essen. Nach den Strapazen dieser Reise fühlt sich das sonst Alltägliche an wie das reinste Paradies.

 

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