Indien Blog


"Ashramlife & Joyful Journeys"

 

Unsere erste gemeinsame Gruppenreise ist gerade zu Ende gegangen. Es war eine Zeit vieler wunderbarer Impressionen.

 

Die erste Woche konnten die Teilnehmer das Ashramleben kosten, die friedliche Energie, die spirituelle Atmosphäre auf sich wirken lassen. Sie konnten erleben, wie die Sinne wieder feinfühliger werden, aufnahmefähig für die vielen kleinen Wunder der Natur, die sich ununterbrochen um uns herum ereignen. Der Lauf der Sonne, die Phasen des Mondes, die Formationen der Vögel am Himmel, das geschäftige Treiben der Streifenhörnchen, die unendlichen Variationen an Blüten, an kleinen Vögeln, die wahre Schmuckstücke sind – schillernde Farben, filigran geformte kleine Körperchen, und das beständige Rauschen der Narmada...

 

Die tägliche Meditation und Swakriya Yoga Praxis mit den 5 Elementen gab den Rahmen für diese Selbsterfahrung. So vertieften wir uns jeden Tag in eines der Bhavas (innere subtile Stimmungen) – Entschleunigung und Erdung, Leichtigkeit und Lebensfreude, Klarheit und Ausrichtung, Dankbarkeit und Liebe, Freiheit und Einssein.

 

In der zweiten Woche waren wir gemeinsam auf einer freudvollen Reise, wo wir faszinierende jahrtausendealte Zeugnisse menschlicher Kultur besuchten und die Ursprünglichkeit des Nationalparks Satpura und dem Tigerreservat Pachmarhi erlebten.

 

Ich darf ein paar meiner eindrücksvollsten Erfahrungen mit Euch teilen.

 

Udayagiri Höhlen.....Eintritt in eine andere Welt

Unsere erste Station war UNESCO Weltkulturerbe “Sanchi“, bekannt als Wiege des Buddhismus. Besonders eindrucksvoll empfand ich die 4 menschengroßen Statuen im Meditationssitz mit unendlich sanftem, friedlichem Gesichtsausdruck. Die Tatsache, daß diese seit über 1000 Jahren genau an dieser Stelle in dieser Haltung sitzend verehrt wurden wie sie nun immer noch vor unsn“saßen“, ließ die Vorstellung auftauchen es würde tatsächlich ein meditierendes Wesen in diesen Steinen verweilen. Welcher Ort und welcher Körper würde sich besser zur Meditation eignen als dieser?

 

Nachdem wir die jahrtausende alte Stupa und die kunstvoll und detailreich in Stein gemeißelte Entwicklung des Buddhismus, mit Begebenheiten aus dem Leben von Gautam Buddha bewundert haben, machen wir uns auf den Weg nach Pachmarhi.

 

Am Weg wollten wir jedoch noch einen Blick auf die Udayagiri Höhlen werfen von denen wir gehört hatten aber nichts Näheres wußten, außer, daß sie „alt“ waren.

 

Wir stolperten mehr oder weniger ahnungslos in diese Besichtigungsstätte herein. Während Sanchi als international anerkanntes Weltkulturerbe touristisch wunderbar erschlossen ist und man vor Ort eine gute Führung bekommen kann, stand beim Eingang zu Udayagiri bloß eine einfache Tafel, die lediglich davor warnte die Tempelhöhlen zu beschädigen, da sonst mit einer 3-monatigen Haftstrafe zu rechnen sei.

 

Wir spazieren unbeschwert herein und ich ahne noch nicht, daß ich eine jener seltenen, kostbaren Erfahrungen machen werde, wie ich sie nur an wenigen anderen Kultstätten der Welt erlebt habe.

 

Unter dem ersten mehrere Meter hohen Felsvorsprung zeigte sich schon das erste eindrucksvolle Kunstwerk – eine meterhohe Darstellung von Vishnu in seiner Form als “Varaha“ mit Wildschweinkopf, rundherum viele weitere detailreiche Figuren, geschmückte, sehr weiblich geformte Frauenkörper, und ebenfalls geschmückte Männergestallten. Man erkennt an der Form der Felswand die Spuren des Wassers welches diese Höhlen vor Urzeiten formte. Man sieht förmlich die Unterwasserwelt, die hier gewesen sein muß, lange bevor kunstvolle Tempelstätten daraus wurden. Die in die Wände gemeißelten Kunstwerke sind ca. 1600 Jahre alt.

 

Ein unscheinbarer, älterer, einheimischer Mann mit dunkelbraun gegerbter Gesichtshaut und sehr einfacher Kleidung gesellt sich zu uns. Er beginnt unaufdringlich uns die verschiedenen, teilweise beschädigten Darstellungen zu erläutern. Ich bin fasziniert, denn es sind durchwegs symbolische Bildnisse weiblicher tantrischer Gottheiten, die mir bereits in Orissa begegnet sind. Sie sind an mehreren, weit voneinander eintfernen Orten Indiens zu finden. Die damit verbundenen spirituellen Praktiken waren streng geheim und sind bis heute, wenn auch sicher nicht vollständig, aber bis zu einem gewissen Grad erhalten, doch nach wie vor schwer zugänglich. Ich staune, wie in einer Zeit, wo es keine schnellen Transportmöglichkeiten gab und keine Medien wie wir sie kennen, diese Gottheiten und Praktiken so weitreichende Verbreitung finden konnten.

 

Die Eingangstür zur nächsten kleinen Höhle hat eine hohe Schwelle und einen niedrigen Rahmen, die rundherum mit rankenden Pflanzen verziert ist. Man muß also hinaufsteigen und gleichzeitig den Kopf einziehen um einzutreten. Wir finden uns in einer wenige Quatratmeter großen Höhle wieder. Als mein Blick auf den in der Mitte stehenden aus dem Stein gemeißelten Sivalingam fällt, bin ich in unaussprechliches Erstaunen versetzt. Ich habe schon so viele Sivalingam Darstellungen gesehen, doch noch niemals so eine zauberhafte und wundersame. An der Vorderseite des glänzend-glatt polierten Sivlings (die Sivalingams der alten Zeiten haben noch eine eindeutig phallische Form, während es heute ellipsoide Steine sind) befindet sich ein faszinierend schönes weibliches Gesicht, mit allen Details. Eine wunderschöne Frisur – der obere Teil glatt hochgebundenen, der untere Teil in langen gewellten Haarsträhnen herabfallend und mit einem wunderschönen, schweren Halsschmuck – alles aus dem einen Stein gemeißelt – unendlich liebevoll und kunstvoll. Ich weiß nicht was es ist, aber diese Darstellung wirkt die Art von Magie, die mich die Luft anhalten läßt in Verwunderung und Fassungslosigkeit. Es ist als würde sich ein Tor zu einer anderen Dimension einen Spalt weit öffnen, durch den man einen undeutlichen Blick erhaschen kann auf das was dahinter liegt. Eine Energie, die eine plötzlichen Zäsur im Zeit-Raum Kontinuum bewirkt, an das wir normalerweise gebunden sind. Die Grenzen zwischen den Dimensionen sind auf einmal hauchdünn, sodaß die Ahnung, der Duft, der Geschmack, der Ruf des “Einen“ zu uns durchdringt. Ich fühle mich wie eine Mutter, die den Ruf ihres lange verlorenen Kindes gehört hat! Ungreifbar zwar aber mit verblüffender Deutlichkeit. Ich bemühe mich um Worte, doch es bleibt ein Mysterium.... Nur schwer lasse ich mich aus der Höhle hinausbewegen. Ich fühle mich wie angewachsen, aber es ist Zeit weiterzugehen.

 

Im hinteren oberen Teil der Felsformation wartet noch ein meisterhaftes Kunstwerk. Eine meterhohe Darstellung von Vishnu auf Ananta der Weltenschlage, am Ozean der Unendlichkeit ruhend. Sogar der ganze Boden ist mit kleinen, gemeißelten, sich riffelnden Wellen überzogen. Es ist als würde ich auf einem zu Stein gewordenen flachen Strand stehen über den des Wasser fließt. Welch unermeßliche Hingabe an das Göttliche die Künstler gehabt haben müssen, welch mysteriöse innere Triebkraft dahinter stehen muß in der Mitte des Dschungels ein derartiges Kunstwerk zu schaffen.... Swamiji möchte dem einfachen Mann, der uns begleitete und einige Dinge erklärte, Geld geben, doch dieser lehnt mehrmals ab.

 

Als wir ins Auto steigen bin ich immer noch selbst wie versteinert, spüre das Unermeßliche, Unerklärliche zum Angreifen nahe und doch entzieht es sich dem geistigen Fassungsvermögen...

Pachmarhi... im Lebensraum der Tiger

Pachmarhi... bewaldete Berge und Täler so weit das Auge reicht, Revier von ca 200 Tigern und vielen anderen Wildtieren.

 

Wir haben ein wunderbares Hotel, “Champak Bungalows“ in Mitten des Nationalparks; im Kollonialstil, in einer gepflegten Parkanlage und mit köstlichem Frühstücks-, Mittags und Abendbuffet. Nur die Menge an verwendeten Chillischoten in nahezu allen Gerichten bis auf die Nachspeisen setzt meiner Begeisterung und Menge der Nahrungsaufnahme ein natürliches Ende. Nach 2 Tagen haben die Köche ein Nachsehen und verwenden nur mehr die Hälfte an Chili. Es ist immer noch scharf aber überschreitet nicht mehr die Schmerzgrenze. Auch bin ich nun wahrscheinlich schon etwas abgehärtet.

 

Wir verbringen die Tage mit Ausflügen zu Tempeln und Aussichtspunkten und einer Wanderung. Die Affen sind dabei nahezu allgegenwärtig und haben keine Scheu alles Eßbare unsanft zu entwenden. Wer etwas in der Hand hält kann sicher sein es entrissen zu bekommen. Und wenn es aus einer Tasche verführerisch duftet, dann muß man damit rechnen, daß man angesprungen wird und sein Hab und Gut verteidigen muß. Deshalb haben Einheimische hier kleine Stände wo Steinschleudern verkauft werden.

So arglos und unschuldig die Affen auch aussehen, wenn sie still dasitzen mit ihren Babies im Arm oder sich gegenseitig liebevoll lausend, so schnell kann man garnicht schauen, bekommt man auch schon mit einem drohenden Kreischen das eindrucksvolle Gebiß präsentiert.

 

Obwohl die Tiger zumindest im Bewußtsein allgegenwärtig sind, ist es wohl nicht so leicht einen zu Gesicht zu bekommen. Man muß sich allerdings ständig der Möglichkeit und potentiellen Gefahr bewußtnsein und wird angehalten auf den Wegen zu bleiben. An vielen Orten ist in der Früh und am Abend der Zutritt nicht erlaubt. Wir dachten erst es wäre wohl um die Wildtiere nicht zu stören, begriffen aber bald, daß es tatsächlich in erster Linie unserem eigenen Schutz diente. Angäblich sei vor nur wenigen Wochen ein Soldat (es befindet sich auch ein Militärgebiet hier) in sekundenschnelle von einem Tiger aus der Gruppe herausgerissen worden und war nicht zu retten. Obwohl Tiger Menschen normalerweise meiden, bleibt ein Tiger der einmal einen Menschen gerissen hat, eine Gefahr. Auch als wir nach dem Abendessen auf der Straße vor unserem Hotel einen kleinen Spaziergang machen um den Sternenhimmel und die frische Luft zu genießen, warnen uns die vorbeifahrenden Fahrzeuge, daß das wohl nicht die beste Idee sei. Angäblich wurden Tiger auch schon am See hinter der Hotelanlage gesichtet... Theoretisch ist also jederzeit und allerorts mit einer Begegnung zu rechnen.... doch wir bekommen keinen zu Gesicht, was mich etwas enttäuscht. Ich schaue mir stattdessen die Fotos von den Tigern im Katalog an und in youtube Videos...

 

Am letzten Abend genießen wir einen spektakulären Sonnenuntergang am höchsten Punkt des Bundesstaates Madhya Pradesh, hoch über allen Bergspitzen, dem Himmel so nahe. Als die Sonne untergegangen ist und die anderen Schaulustigen mit ihrem ununterbrochenen lauten Geschnatter abgezogen sind, breitet sich eine vibrierende, tiefe Stille aus. Ich wäre gerne geblieben, doch es wird schnell dunkel und wer möchte schon freiwillig jemandes Abendessen sein.

 

Bhimbetka...was ist Zeit?

 Ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe befindet sich auf unserem Weg, diesmal von Pachmarhi nach Bhopal. Die frühesten Funde belegen, daß die Bhimbetka Felshöhlen schon in der Steinzeit von unseren frühesten Vorfahren bewohnt waren. Durch die Jahrtausende dienten sie wohl unzähligen Generationen als Wohnstätten. Es überrascht nicht, denn durch die Art und Weise, wie diese weitläufigen, Höhlen mit niedriger Decke und gerundeten Wänden und Nischen geformt sind, fühlt man sich hier heimelig und geschützt. Es dringt außerdem genug Sonnenlicht herein und auch die Belüftung ist gut. An verschiedenen Vorsprüngen und Höhlenwänden befinden sich Malereien, von denen die ältesten 10 000 Jahre alt sind. Nur die spanischen Felsmalereien in Altamira sind mit

25 000 Jahren noch älter.

Doch ehrlich gesagt sind das zeitliche Dimensionen, die mein Geist ohnehin nicht fassen kann. Beim Versuch dies zu tun taucht die Ahnung auf, daß Zeit wahrscheinlich nur eine Illusion unserer begrenzten Wahrnehmungsfähigkeitnist und garnicht wirklich existiert, daß alles in einem einzigen ewigen Moment enthalten ist. Ich lege meine Hand auf die Felswand. Mir wird bewußt wie unbegreiflich lange der Fels existiert und wie verschwindend kurz im Vergleich dazu die Lebenszeit dieser Hand ist, die ihn berührt! Meine Wahrnehmung verschiebt sich und dieser Körper wirkt auf einmal garnicht mehr “fest“, sondern durchscheinend wie Licht, ein lockeres energetisches Gebilde, das sich auflöst bald nachdem es in Erscheinung getreten ist - wie ein Lichtteilchen das für einen Moment hell aufleuchtet und gleich wieder erlischt. Sind wir Menschen nicht wie Lichtteilchen, jedes für sich nur einen Augenblick lang manifest, doch alle gemeinsam ein beständiges Leuchten, Lichtwellen, erzeugend, die durch die Zeit reisen?

Die spirituelle Praxis hat im Grunde nur ein Ziel, sich der eigenen Identität mit dem übergeordneten Ganzen bewußt zu werden, jegliches Gefühl der Trennung abzugeben und aufzugehen in der Einheit  mit allem was ist. Die Dramen des Lebens, die kleinlichen Sichtweisen des Ego verlieren dadurch allesamt ihre Gewichtigkeit. Wovor soll ich mich fürchten und was habe ich zu verlieren, wenn ich in Wahrheit eins bin mit der Ewigkeit?

 

Auf den Felsen sind ockerrote und kalkweiße Malereien,  Abbildungen von Jagdszenen, von den gleichen Tierarten, die auch heute noch hier zu finden sind. Da ist ein Reh, ein Bison, Menschen auf Pferden, ein Tiger mit gestreiftem Körper. Wenn vor unvorstellbar langer Zeit die gleichen Tiger hier existiert haben wie heute noch, dann frage ich mich wie unbegreiflich viele Tigerkörper wohl in Erscheinung traten und sich wieder auflösten bis zum heutigen Tage! Die lineare Wahrnehmung und mein Zeitgefühl haben sich auf interessante Art und Weise verschoben. Ich habe nun den Eindruck, daß es der eine Geist, die eine Tigerseele, die hier seit Urzeiten lebt, die sich immer und immer wieder manifestiert, sich in diesen unzähligen Körpern ausdrückt... Wobei die einzelnen Tiger von untergeordneter Bedeutung sind, die Seele des Ganzen zählt! Und so muß es dann ja auch mit uns Menschen sein. Wir sind alle gemeinsam die Zellen eines gigantischen Organismus. Selbst innerhalb unserer eigener Körper sind nach rund 7 Jahren alle Zellen vollständig ausgetauscht – völlig neue Materie doch ein und das sebe unveränderliche Wesen! Was ist schon ein Menschenleben in einem kurzzeitigen Körper gegen das menschliche Bewußtsein das seit Urzeiten ungebrochen existiert, in ständiger Erfahrung seiner selbst in all den Erscheinungsformen....

 

Und so wandle ich in meinem zeitweligen durchscheinenden Körper aus Licht und Energie zwischen den die Zeitalter überdauernden Felsen. Doch nicht einmal die existieren für immer..... was ist schon so ein Fels im Angesicht der Ewigkeit....

 

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Sylvester im Ashram...wir heißen das neue Jahr willkommen!

 

Wir wußten wir würden feiern, doch bis zum Nachmittag des 31.12.2017 gab es noch keinen Plan wie sich das Fest gestallten würde. Dann wurde spontan entschieden das neue Jahr in der Yogashala willkommen zu heißen. Die Yogashala ist eine große  kreisrunde Struktur, mit dicken Steinsäulen, gedeckt mit einem Bambusdach, nach allen Seiten hin offen, die Narmadaebene überblickend. Mit einem kleinen Altar in dem ein wunderschöner weißer Ganesha mit lieblichen Augen thront. Mit seinem dicken Bauch und seiner Vorliebe für Laddus (indische Nascherei) erinnert er uns an die Ruhe und Gelassenheit und an die Süße des Lebens.

 

 

 

Nachdem abgewägt wurde, ob es wohl sicher wäre in der Mitte der runden Halle ein Feuer zu entzünden und entschlossen wurde es vertrauensvoll zu wagen, wurde die Feuerstelle vorbereitet – ein quadratisches großes Blech und ein paar Ziegel rundherum. Als es dunkel wird beginnen die Kinder die ganze Yogashalla rundherum mit Lichtern (Deepaks - kleine Tonschälchen mit Öl und Docht) zu schmücken. Teppiche werden ausgelegt, die Musikinstrumente werden gebracht, und schön langsam versammeln wir uns alle. Warm eingepackt und schon etwas schläfrig nehmen wir auf den Teppichen Platz. Das Feuer wird entzündet und die Flammen tauchen die ganze Yogashala in warmes oranges Licht. Es wird begonnen die traditionellen spirituellen Hymnen zu singen, zu Ehren von Ma Anandamayi, zu Ehren des Flußes Narmada, zu Ehren von Shiva... Es ist besinnlich und stimmungsvoll. Es sind die letzten Stunden des Jahres 2017, welches für mich sowohl unglaublichen Segen als auch riesige Herausforderungen brachte. Während ich innerlich noch einmal das alte Jahr Revue passieren lasse, halten die lodernden Flammen meinen Blick gefangen und geben meinem Geist Fokus und Ausrichtung. Es ist ein emotionaler Moment – die großen Wachstumsaufforderungen und inneren Widerstände einerseits, und die große Schönheit des Augenblicks andererseits. Das Feuer erfüllt seine Funktion - ich sehe mit Klarheit, daß alles woran wir uns zu festhalten früher oder später Schmerz erzeugt – vergangene Verletzungen und persönliche Lebensdramen genauso wie die glorreichen Hochgefühle glückerfüllter Momente. Drum bin ich nun bereit wirklich alles diesen Flammen anzuvertrauen, einfach und bescheiden zu sein, alles Weitere in die Hände des Lebens zu legen, wissend, daß diese Kraft mit unendlicher Weisheit, Liebe und Genialität alles ordnet, alles lenkt, alles vermag – vorrausgesetzt man läßt sie ohne sich mit seinen eigenen begrenzten Vorstellungen in den Weg zu stellen.

 

 

Nach ein paar Ansprachen und ein paar Komikeinlagen in Hindi über die alle herzhaft lachen außer den gleichmütig dreinschauenden "Westerners", die nichts verstanden haben, beginnen die Musiker mit ihrem Repertoir “tanzbarer Lieder“. Die Kinder wie die Erwachsenen müßen sich nicht erst bitten lassen und die Hälfte der rund 60 Anwesenden erhebt sich zum Tanz. Die Kinder hüpfen und springen zusammen im Kreis, die Erwachsenen bewegen sich ausgelassen durch den Raum, mal tanzen wir alle in schneller Geschwindigkeit um das Feuer, mal formen sich die Kreise anderswo im Raum. Es ist ein einziger dynamischer Fluß, spontan und organisch... Ein Lied nach dem anderen, alle Müdigkeit ist weggeblasen, auch alle Kälte und alle Melancholie. Was für eine Party! Die schützende Dunkelheit, das sanfte Mondlicht, die Kerzen rundherum, das Feuer, die berührenden Melodien und leidenschaftliche Stimme des Sängers, die Texte, die von der tiefsten Sehnsucht nach dem Göttlichen und der höchsten ekstatischen Freude der Erfüllung sprechen, die packenden Rhythmen der Trommel, die Ausgelassenheit von Jung und Alt...

 

 

Mitternacht nähert sich und wir beginnen das Lied des Ashram zu singen “Om Ma Sharanam“...“Mutter wir sind in Deiner Obhut“. Zu Mitternacht folgt Swamiji seiner spontanen Inspiration und läßt uns alle einen Kreis bilden, die Hände haltend mit dem Gefühl, daß das Göttliche uns immer an den Händen hält und in Form aller Erscheinungen jederzeit an unserer Seite ist. Gemeinsam die Hände hochhebend wiederholen wir das Mahamrtyunjaya Mantra für Schutz und Segen im neuen Jahr. Danach, wie es so üblich ist, wünscht Jeder Jedem “Happy New Year!“ was bei 60 Leuten eine weile dauert.

 

Auch das rauschendste Fest hat ein Ende. Das Feuer ist heruntergebrannt und es wird nicht mehr nachgelegt. Alle bewegen sich zu ihren Zimmern. Der Mond scheint hell. Morgen Früh um 6 Uhr beginnen wie jeden Tag die Zeremonien....

 

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Ein neues zu Hause!

 

Ich liebe die klare, frische Energie von Neubeginnen. Eine Chance alten Ballast hinter sich zu lassen und eine neue, bessere Version des Lebens entstehen zu lassen.

 

Ich bin freudig und aufgeregt wie ein kleines Kind, als ich jeden Tag Schritt für Schritt beobachte wie mein neues Zu Hause entsteht, das ich nach meinen Vorstellungen mitgestallte. Ich erlebe wie die Ziegel aufeinandergesetzt werden, der Verputz gemacht wird, das Dach auf das fertige Gemäuer kommt, wie das Badezimmer, die Kochnische und der Boden verfließt werden, wie die Waschbecken montiert, das Balkongeländer geschmiedet wird, wie die Steine für den Weg gesetzt werden, der bestellte Kasten kommt...

Die Baustelle ist seit ich hier bin mein liebster Ort. Oft sitze ich vor dem Schlafengehen bei Sternenhimmel im Rohbau und geniesse einfach die Energie des Ortes.

 

Ich freue mich total über die 2 hübschen kleinen Tischchen, die wir erstanden haben, denn die Auswahl im 30 Minuten entfernten Dorf ist sehr begrenzt. Einen Puja-Tisch und einen kniehohen Tisch, der wahlweise als Ess- , Arbeits- und Balkontisch dienen wird. Und eine mit Baumwolle gefüllte weiche „Matratze“ in ansprechenden Farben, die sogar zu den Vorhängen passt. Und, richtig gefaltet, geht sie als Sofa durch. Perfekt!

 

Die Elektrokochplatte ist die reinste Freude, und der Trinkwasserkontainer mit Zapfhahn im Zimmer der pure Luxus. Ich habe eine eigene Küche! Winzigklein zwar, aber mit dem richtigen Platzmanagement voll funktional. Morgen kommt ein dazupassender winzigkleiner Kühlschrank. Und auch eine kleiner Boiler für warmes Wasser im Bad wird geliefert! All das erzeugt in mir Aufregung und Freude, denn diese Dinge sind hier alles andere als selbstverständlich und ich dachte immer auf diese Dinge hier verzichten zu müssen. Ohne darum gebeten zu haben werden mir diese Kostbarkeiten angeboten, und obwohl ich erst recht ungläubig dreinschaue und mich auf den Arm genommen fühle, ist nicht viel Überredungskunst nötig, damit ich zustimme. Und warum nicht? Ich betrachte es als Investition für die Zukunft. Es geht nicht bloß um momentanen Komfort, oder darum sich in Askese zu üben, sondern darum hier auch dauerhaft gut leben zu können. Das Pendeln und Arbeiten zwischen 2 Kontinenten bringt genügend Strapazen mit sich. Diese Dinge machen das Leben hier (und vor allem den langwierigen Genesungsprozess in dem ich mich befinde) so viel leichter. Ich bin ja nahezu die Hälfte des Jahres hier. Nicht bloß ein Gästezimmer sondern ein echtes zu Hause zu haben bringt große Erleicherung. Ich kann nun die meisten meiner Sachen hier lassen und muss nicht jedes Mal alles hin- und hertransportieren.

 

Sobald die Fenster und Türen drin sind, werden die Vorhangstangen montiert und die extrem billigen aber dafür geschmackvollen lindgrünen Vorhänge aufgehängt, die wir ebenfalls im kleinen Ort Baruwa erstanden haben. Ein paar Glühbirnen werden eingeschraubt und ich bin total entzückt über die einfache Beleuchtung. Ein nicht verwendetes Bett wird aus einem anderen Zimmer geholt.

 

Nun bin ich nicht mehr zu halten und ziehe auch schon ein. Schlichte mit Hingabe meine Sachen in den schönen neuen Kasten. Das Leben aus dem Koffer hat ein Ende.

 

Es ist ganz eigenartig, denn ich fühle mich sofort total zu Hause. Es erscheint fast wie ein Wunder, wie sich der im stillen gehegte Traum vom zukünftigen kleinen zu Hause in Ma Sharanam innerhalb kürzester Zeit manifestiert hat. Völlig unverhofft und mühelos. Und plötzlich steht es da und ist mir so vertraut, als hätte ich schon lange darin gewohnt.

 

Die erste Nacht ist trotz heimatlicher Gefühle etwas aufregend und der Schlaf nicht besonders tief. Aber in der Früh sehe ich von meinem Bett aus durch das große Fenster wie die Sonne am Horizont aufsteigt. Ich sitze an die Wand gelehnt zur ersten Morgenmeditation mit den 5 Elementen, während das Zimmer in goldenes Licht getaucht wird. Nach der ersten Dusche (daweile noch mit Eimer und händischem Heizstab) setze ich mich zur morgendlichen Puja. Ich spüre die klare reine positive Energie des Platzes und fühle mich in der Praxis sehr inspiriert und unterstützt.

 

Ich höre die Mantras der Feuerzeremonie, denn die Yagya Shala ist nur wenige Meter entfernt, und, da ich den Ablauf gut kenne, höre ich genau wann sie beendet sein wird, und wir uns alle zum Frühstück in der Morgensonne treffen werden.

 

Swamiji scheint nicht weniger freudig und aufgeregt, als er an meine Türe klopft um mir den ersten Besuch abzustatten und zu fragen, wie sich das neue zu Hause anfühlt.

 

Nur ein zwei Tage später ist “Wintereinbruch“. Die nächtlichen Temperaturen sind um einige Grade gefallen und ich organisiere mir jede Nacht eine zusätzliche Decke. Die Nase ist in der Früh beim Aufwachen ganz kalt und die Strahlen der aufgehenden Sonne umso mehr willkommen. Es war auch etwas stürmisch in der Nacht und nun bemerke ich, daß die Türen schleissig eingebaut wurden. Rundherum ist ein breiter Spalt und ich spüre, wie der kalte Wind durchs Zimmer weht, Kleine Blätter wehen unter der Türe herein und große schwarze Ameisen marschieren unbesorgt ein und aus....mehr ein als aus.

 

Auch frage ich mich nun, warum eigentlich das Dach nicht “geschlossen wird“, denn der Giebel liegt nur locker obendrauf und Licht und kalte Luft kommen durch. Und wenn die Streifenhörnchen laut pfeifend und aufgeregt zwitschernd am Dach herumtollen, dann taucht hin und wieder ein buschiger Schweif zwischen den Dachplatten am Giebel auf, was ja durchaus entzückend ist. Aber wir beschließen, daß es doch klüger ist eine Decke einzuziehen. Die Betonplatten dafür wurden heute geliefert... Die Türen wurden heute nachgebessert und mit einer Art Isolation versehen.

 

Letzte Nacht schlief ich mit Wollmütze.....

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Die Pilgerreise nach Amarkantak...

 

Unser Bus prescht holpernd und wankend durch den Bundesstaat Madhya Pradesh. Genauer kann ich es leider nicht lokalisieren, denn ich bin vor 2 Tagen erst aus Europa in Indien angekommen. Besser gesagt ich bin eigentlich noch nicht ganz angekommen, und während ich noch damit beschäftigt bin alle meine Anteile energetisch zusammen zu sammeln, werde ich schon weiter durcheinandergewürfelt. Und zwar gründlich. Ich habe dieses Gefährt zugegebenermaßen etwas blauäugig bestiegen um meine Ashramfamilie zu begleiten und nicht alleine zurück zu bleiben. Die in mir aufsteigenden Ahnungen, daß es eventuell "holprig“ werden könnte, habe ich ignoriert. Nun muß es durchgestanden werden. 7 Tage lang, mit allen Höhen und Tiefen.

 

Das Ziel der Reise ist Amarkantak, die Quelle des heiligen Flußes Narmada, an diessen Ufer unser Ashram liegt. Es heißt, daß alleine der Anblick von Narmada von allem Übel befreit und den höchsten Segen schenkt. Zum Ursprung dieser verehrten Kraft vorzudringen ist dementsprechend bedeutungsvoll.

 

Es ist ein weiterer Tag vieler vieler Stunden in dem Gefährt in dem wir begonnen haben uns zu Hause zu fühlen. Zum Zeitvertreib wird natürlich gesungen. Das ist eigentlich eine starke Untertreibung. Es handelt sich eher um ein fahrendes Musikfestival, wo sich fantastische Sänger und Musiker abwechseln. Mikrophone sind dabei und eine große Lautsprecherbox (sonst wäre es nicht Indien), die im Mittelgang platziert wird. Harmonium und Dholak (Trommel) sind sowieso eine Selbstverständlichkeit.

 

Wenn wir unsere Tagesfahrten in der Früh beginnen, dann wird zuerst einmal das Mahamrtyunjaya Mantra, das wichtigste Schutzmantra, 108x wiederholt. Das werden wir auch brauchen, denn wenn es erst mal finster ist und unser sowohl langer, hoher als auch breiter Bus durch die schmalen, kurvigen Strassen prescht, dann geht es sich manchmal nur haarscharf aus, daß der Gegenverkehr (gelegentliche Laster, die hupend und nicht weniger rasant unterwegs sind) nicht mit uns kollidieren. Doch davon läßt sich niemand irritieren. Im Gegenteil! Nicht nur der Bus, sondern auch die Partygesellschaft ist davon ungebremst - in voller Fahrt!

 

In der Mitte befindet sich gerade Maheshji – ein Traum von einem Schuldirektor – mit dem Mikrophon in der Hand singend und wild tanzend. Der Trommler haut dazu ordentlich in die Felle, und holt alles an Lautstärker heraus, die Finger des Harmoniumspielerers tanzen mühelos und in rasender Geschwindigkeit über die Tastatur. Rundherum zwischen den Sitzreihen kreuz und quer eine wilde Bande – die Schüler unterschiedlichen Alters, von 6 – 20, und die 4 Didis (junge Lehrerinnen), außerdem Swamiji`s Familie, und zwei ältere indische Ladies...und meine Wenigkeit.

 

Insgesamt ca. 60 Personen.

 

Niemand kommt auf die Idee sorgenvoll das Strassengeschehen mitzuverfolgen und vielleicht zu kontrollieren, ob der Fahrer nach 10 Stunden Fahrt nicht doch schon am Einschlafen ist. Alle befinden sich in Hingabe an die Situation, in der einen oder anderen Form – entweder in unbequemer Haltung schlafend, oder wild feiernd.

 

….zur Zeit is alles ruhig. Es ist später Vormittag und die meisten schlafen. Die Köpfe entweder an den Sitznachbarn gelehnt oder in hängender oder im Nacken irgendwie abgeknickter Position. Bald gibt es eine Pause für`s Mittagessen (so denke ich zumindest), welches schnell und effizient mit mitgebrachten Kochutensilien im Schatten von Bäumen zubereitet wird. Die geeignete Stelle an der 60 Leute spontan lagern können, muß freilich auch erst mal gefunden werden.....

 

….es wurde beschlossen keine Pause zu machen und das Mittagessen kurzerhand ausfallen zu lassen (zu meinem Entsetzen), da die meisten nicht hungrig sind. Leider gehöre ich nicht zu dieser Mehrheit. Ich habe mir den Bauch beim Frühstück nicht mit weißem labbrigem Toastbrot, Butter und Marmelade vollgeschlagen, in Erwartung eines nahrhafteren Mittagessens, welches meiner Gesundheit zuträglicher wäre (ich befinde mich in einem langwierigen Genesungsprozess, der mit der Ernährung steigt und fällt).

 

Gut, langsam wird mein bequemer, alle Annehmlichkeiten gewöhnter, europäischer Geist wieder flexibler. Das empörte Entsetzen über die verschiedenen „unzumutbaren“ Zustände und Situationen in denen ich mich befinde wallt mit jedem Mal weniger auf.  Ich gehe nun nicht ins Detail, aber wer in Indien schon mal low-budget gereist ist, und bei 60 Reisenden ist das nicht anders leistbar, weiß wahrscheinlich was ich meine. Jedenfalls füge ich mich langsam wieder in das größere Ganze, denn der innere Widerstand ist völlig zwecklos. Und worum geht es in der Spiritualität, wenn nicht darum? Die engen Begrenzungen des eigenen Ego, mit seinen eingefahrenen Gewohnheiten, fixen Vorstellungen, Erwartungen, und Beurteilungen, aufzulösen... Unser Bewußtsein zu befreien von der Illusion, daß wir dieses Ego, dieser Körper, dieser Charakter wären... Den goldenen Käfig zu öffnen und den wunderschönen Vogel in all seiner Pracht fliegen zu lassen, sich wiederzuvereinigen mit dem Schwarm seiner Artgenossen, in Freiheit zu sein, einer von vielen, ein Teil des Ganzen, in Harmonie mit dem Ganzen. Mit Leichtigkeit und Grazie, in perfekter Synchronizität bewegt sich der Schwarm durch die Lüfte. Alles geschieht einfach und mühelos, wie von einer unsichtbaren Kraft gelenkt. So ein Vogel pfeifft darauf einen Namen und eine Identität zu haben, auf die Sicherheit des Überlebens im Schutz des Käfigs, auf das täglich vorgesetzte Futter. Seine wahre Natur ist die Unbegrenztheit

Möge mein Geist so wie dieser Vogel zur Türe meines Käfigs hinausfliegen und eins werden mit der unendlichen Weite, sich ganz der höheren Führung überlassen, sorglos und frei. Komme was wolle.

 

Wer schon einmal in die Augen eines Neugeborenen geblickt hat, der hat vielleicht die eigenwillige Erfahrung gemacht in die Leere zu schauen. Unendliche Weite, unendliches altes Wissen, vollkommene Präsenz, reines Bewußtsein, aber keine Persönlichkeit, kein Ego, keine Identifikation mit diesem kleinen Körper, keine Beurteilungen, keine Gedanken..... Noch nicht...

 

Aus vielen Erfahrungsberichten geht hervor, daß die Menschen bei der außergewöhnlichen Heiligen, Ma Anandamayi, eine ähnliche Erfahrung hatten. Sie trafen in Ihr kein Ego an, keine Persönlichkeit, keine Identifikation mit „diesem Körper“ (wie sie sich selbst bezeichnete). Dafür aber erfuhren sie eine unwiderstehliche Anziehung und Liebe, ein überwältigendes Gefühl der Vertrautheit, so als würden sie nach Hause kommen und in „Ma“ ihr eigenes wahres Wesen erkennen...

 

...doch nun zurück in die 4 Wände des Busses und die Grenzen meines Geistes. Es ist der 5. Tag und wir befinden uns auf dem Rückweg. Unser von allen heiß ersehnter Zwischenstop ist in Pachmarhi geplant, im weitläufigen Satpura Nationalpark. Als wir in das Waldgebiet einfahren weht plötzlich eine kühle, sauerstoffreiche Brise zum offenen Fenster herein, die Lungen machen spontan einen tiefen Atemzug, als würden sie aus einem Dornröschenschlaf erwachen. Was für eine Wohltat nach den vergangenen Tagen in staubiger dicker Luft und Hitze! Meinem Geistkäfig wird erstmal nicht mehr auf die Pelle gerückt durch widrige äußere Umstände. Es eröffnet sich uns eine weite Aussicht auf bewaldete Berge und Täler. Ursprünglich muß ganz Madhya Pradesh von diesem Urwald überzogen gewesen sein....

 

Ich stelle mich in die offene Türe auf das Trittbrett, lehne mich weit hinaus und genieße den Fahrtwind.... Dabei halte ich mich sehr gut fest um nicht bei einer schwundvollen Kurve in hohem Bogen auf der Strasse zu landen. Auch werde ich sorgenvoll beäugt und eindringlich gebeten mich gut festzuhalten. Einer der Burschen sitzt wie auf heißen Kohlen, bereit jederzeit aufzuspringen und mich zu schnappen... Und so setzte ich mich bald wieder sittsam auf meinen Platz.

 

...nach 7 Tagen gemeinsam durchlebter Abenteuer, Höhen und Tiefen, fühlen wir uns zusammengeschweißt und kehren siegreich zurück - es ist geschafft und wir haben uns das frohe Gemüt (meistens) beibehalten - das ist die größte Errungenschaft dieser Reise. Doch nun sind wir glücklich nach Ma Sharanam nach Hause zu kommen, ausgiebig zu duschen, die Kleidung zu waschen und gut zu Essen. Nach den Strapazen dieser Reise fühlt sich das sonst Alltägliche an wie das reinste Paradies.

 

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Ankommen in Ma Sharanam....

Die Autofahrt von Indore nach Ma Sharanam....

Nach einem halben Jahr in Österreich sehe ich alles wieder mit dem Blick einer Europäerin. Dinge, die in wenigen Tagen wieder alltäglich und selbstverständlich sein werden, springen mir jetzt als Kuriositäten ins Auge. Zehn schön gekleidete und geschmückte Frauen, entspannt und fröhlich auf der Ladefläche eines kleinen Lastwagens, neben unserem klimatisierten Wagen auf zweiter Fahrspur, in voller Fahrt. Gerade war ich dankbar für den Luxus einer Klimaanlage um dem Staub, Lärm und der Hitze des indischen Verkehrs zu entkommen. Doch diese Damen sehen aus als könnten sie nicht entspannter sein und sehen dabei auch noch großartig aus.

Ein Barbershop (Bartschneider und Herrenfriseur) unter einem großen Baum, der Spiegel an den Stamm montiert....eine Affenbande mit vielen Babies bei den Chai-Shops am Strassenrand, ein Taxi mit wild flatternden zerflederten braunen Satinvorhängen, die vor 10-20 Jahren bestimmt mal einen edlen Touch verliehen haben, nun aber nur mehr Staubfänger sind....

 

Ankommen in Ma Sharanam.... viele bekannte lächelnde Kindergesichter.....und die erwartungsvolle und etwas herausfordernde Frage "What is my name? What is my name?" Nach einer langen anstrengenden Reise aus einer anderen Welt ist der Geist meist zu erschöpft und überladen, als daß er die Erinnerung an die vielen Namen so bereitwillig freigeben würde.... diesmal habe ich mich schon vorbereitet indem ich mir auf der Fahrt die Buben und Ihre Namen in Erinnerung gerufen habe.....aber einige sind entwischt und so muss ich sie wieder mit entgeisterten ahnungslosen Augen anschauen und hoffen, daß sie es verzeihen werden.

Swamiji gibt mir voller Freude eine Führung durch das ganze Ashram-Gelände, zeigt mir was sich alles verändert hat in den letzten Monaten. Die Vegetation ist unglaublich schnell gewachsen....aus dünnen Büschen sind richtige hohe Bäume geworden. Sie verleihen den Tempeln und verschiedenen Plätzen eine Atmosphäre der einladenden Frische und Erholung. Ma Sharanam erblüht so zu sagen immer mehr, entfaltet seine wahre Schönheit nach und nach.....so wie auch ein spiritueller Aspirant Schritt für Schritt seine wahre Natur und sein volles Potential entfaltet. So wie sich ein Samen in eine starke Pflanze verwandelt, die eines Tages Blüten trägt, die ihren ganz eigenen speziellen Duft verströmen....Vom Duft der Blüten zum Duft der Goshala (des Kuhstalls).

Auf unserem Spaziergang besuchen wir auch die Kühe, mit ihren elegant gerundeten Stirnen und großen hängenden Ohren die uns erwartungsvoll entgegenblicken (im Konkreten erhoffen sie sich mit übriggebliebenen Chapatis gefüttert zu werden). Swamiji erzählt, seit sie jede einen Namen bekommen haben und täglich von Hand einen Leckerbissen gefüttert bekommen, geben sie viel mehr Milch und auch die Kälbchen gedeihen prächtig.

Mir fällt auf, daß ich völlig vergessen hatte wie schön dieser Ort ist und wie glücklich ich hier war. Mich durchströmt wieder dieses Gefühl der Überwältigung und der Dankbarkeit. Vor meiner Abreise aus Österreich war ich so eingenommen von den notwendigen Erledigungen und auch von dem Gefühl des Abschiednehmens , daß mein Geist garkeinen Raum fand in die Zukunft zu schweifen und sich auszumalen wie es werden würde. Leben im Augenblick hält viele Überraschungen bereit.

Ich habe das Gefühl nach Hause gekommen zu sein (mein zweites zu Hause). Noch garnicht richtig fassen kann ich auch, daß gerade mein eigenes kleines Zimmer mit Bad und Blick zur Narmada am Entstehen ist. Die Mauern stehen schon! Womit Ma Sharanam auch zu meinem tatsächlichen "zu Hause" im wahrsten Sinne des Wortes wird.

Erstaunt nehme ich wahr, wie sehr die Umgebung uns beeinflußt und bestimmte Anteile unserer Persönlichkeit fördert, hervorbringt oder zurückdrängt. Ma Sharanam erfüllt seinen Zweck als Ort für spirituelles Wachstum so perfekt! Die Verbundenheit mit allem was ist, die sensiblen spirituellen Antennen, die innere Empfänglichkeit für die feinen Wahrnehmungen, das Gefühl der Hingabe und höheren Führung....all das verstärkt sich automatisch sobald ich hier bin.

Am frühen Abend, zu Sonnenuntergang, gehen wir hinunter zum Fluß Narmada, die Hymne zur Verehrung des heiligen Stromes singend. Wir nehmen ein erfrischendes Bad in den tanzenden Fluten und sitzen dann auf einem sonnenwarmen, glatten Felsen - meditierend und sie Schönheit der Natur und des Augenblicks aufsaugend. Das Plätschern der Wellen, die Vögel, die über den orange violetten Abendhimmel ziehen.... Und dann führen wir das Arati durch (die Lichtzeremonie); die Öllampe wird geschwenkt, auch die Räucherstäbchen, die Blumen werden ins Wasser geopfert.....Narmada ist glücklich und wir sind es auch. Mit dem Gefühl von ihr gesegnet zu sein marschieren wir wieder singend zurück zum Ashram.... bald ist die Abendmeditation und dann das Abendessen.

Als es finster ist und wir von der Essenshalle ins Frei gehen, ist die Luft schwer beladen mit den betörendsten Düften.... vor dem Haus die Kundablüten, hinter dem Haus die "König der Nacht", die wie ihr Name verrät erst des nächtens ihren Duft verströmt..... man kann garnicht lange genug einatmen und sich von dem Aroma und der lauen Nacht berauschen lassen.... aber es ist wirklich Zeit schlafen zu gehen nach einem langen Tag, denn die Sonne geht früh auf!

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