"Ashramlife & Joyful Journeys"

 

Unsere erste gemeinsame Gruppenreise ist gerade zu Ende gegangen. Es war eine Zeit vieler wunderbarer Impressionen.

 

Die erste Woche konnten die Teilnehmer das Ashramleben kosten, die friedliche Energie, die spirituelle Atmosphäre auf sich wirken lassen. Sie konnten erleben, wie die Sinne wieder feinfühliger werden, aufnahmefähig für die vielen kleinen Wunder der Natur, die sich ununterbrochen um uns herum ereignen. Der Lauf der Sonne, die Phasen des Mondes, die Formationen der Vögel am Himmel, das geschäftige Treiben der Streifenhörnchen, die unendlichen Variationen an Blüten, an kleinen Vögeln, die wahre Schmuckstücke sind – schillernde Farben, filigran geformte kleine Körperchen, und das beständige Rauschen der Narmada...

 

Die tägliche Meditation und Swakriya Yoga Praxis mit den 5 Elementen gab den Rahmen für diese Selbsterfahrung. So vertieften wir uns jeden Tag in eines der Bhavas (innere subtile Stimmungen) – Entschleunigung und Erdung, Leichtigkeit und Lebensfreude, Klarheit und Ausrichtung, Dankbarkeit und Liebe, Freiheit und Einssein.

 

In der zweiten Woche waren wir gemeinsam auf einer freudvollen Reise, wo wir faszinierende jahrtausendealte Zeugnisse menschlicher Kultur besuchten und die Ursprünglichkeit des Nationalparks Satpura und dem Tigerreservat Pachmarhi erlebten.

 

Ich darf ein paar meiner eindrücksvollsten Erfahrungen mit Euch teilen.

 

Udayagiri Höhlen.....Eintritt in eine andere Welt

Unsere erste Station war UNESCO Weltkulturerbe “Sanchi“, bekannt als Wiege des Buddhismus. Besonders eindrucksvoll empfand ich die 4 menschengroßen Statuen im Meditationssitz mit unendlich sanftem, friedlichem Gesichtsausdruck. Die Tatsache, daß diese seit über 1000 Jahren genau an dieser Stelle in dieser Haltung sitzend verehrt wurden wie sie nun immer noch vor unsn“saßen“, ließ die Vorstellung auftauchen es würde tatsächlich ein meditierendes Wesen in diesen Steinen verweilen. Welcher Ort und welcher Körper würde sich besser zur Meditation eignen als dieser?

 

Nachdem wir die jahrtausende alte Stupa und die kunstvoll und detailreich in Stein gemeißelte Entwicklung des Buddhismus, mit Begebenheiten aus dem Leben von Gautam Buddha bewundert haben, machen wir uns auf den Weg nach Pachmarhi.

 

Am Weg wollten wir jedoch noch einen Blick auf die Udayagiri Höhlen werfen von denen wir gehört hatten aber nichts Näheres wußten, außer, daß sie „alt“ waren.

 

Wir stolperten mehr oder weniger ahnungslos in diese Besichtigungsstätte herein. Während Sanchi als international anerkanntes Weltkulturerbe touristisch wunderbar erschlossen ist und man vor Ort eine gute Führung bekommen kann, stand beim Eingang zu Udayagiri bloß eine einfache Tafel, die lediglich davor warnte die Tempelhöhlen zu beschädigen, da sonst mit einer 3-monatigen Haftstrafe zu rechnen sei.

 

Wir spazieren unbeschwert herein und ich ahne noch nicht, daß ich eine jener seltenen, kostbaren Erfahrungen machen werde, wie ich sie nur an wenigen anderen Kultstätten der Welt erlebt habe.

 

Unter dem ersten mehrere Meter hohen Felsvorsprung zeigte sich schon das erste eindrucksvolle Kunstwerk – eine meterhohe Darstellung von Vishnu in seiner Form als “Varaha“ mit Wildschweinkopf, rundherum viele weitere detailreiche Figuren, geschmückte, sehr weiblich geformte Frauenkörper, und ebenfalls geschmückte Männergestallten. Man erkennt an der Form der Felswand die Spuren des Wassers welches diese Höhlen vor Urzeiten formte. Man sieht förmlich die Unterwasserwelt, die hier gewesen sein muß, lange bevor kunstvolle Tempelstätten daraus wurden. Die in die Wände gemeißelten Kunstwerke sind ca. 1600 Jahre alt.

 

Ein unscheinbarer, älterer, einheimischer Mann mit dunkelbraun gegerbter Gesichtshaut und sehr einfacher Kleidung gesellt sich zu uns. Er beginnt unaufdringlich uns die verschiedenen, teilweise beschädigten Darstellungen zu erläutern. Ich bin fasziniert, denn es sind durchwegs symbolische Bildnisse weiblicher tantrischer Gottheiten, die mir bereits in Orissa begegnet sind. Sie sind an mehreren, weit voneinander eintfernen Orten Indiens zu finden. Die damit verbundenen spirituellen Praktiken waren streng geheim und sind bis heute, wenn auch sicher nicht vollständig, aber bis zu einem gewissen Grad erhalten, doch nach wie vor schwer zugänglich. Ich staune, wie in einer Zeit, wo es keine schnellen Transportmöglichkeiten gab und keine Medien wie wir sie kennen, diese Gottheiten und Praktiken so weitreichende Verbreitung finden konnten.

 

Die Eingangstür zur nächsten kleinen Höhle hat eine hohe Schwelle und einen niedrigen Rahmen, die rundherum mit rankenden Pflanzen verziert ist. Man muß also hinaufsteigen und gleichzeitig den Kopf einziehen um einzutreten. Wir finden uns in einer wenige Quatratmeter großen Höhle wieder. Als mein Blick auf den in der Mitte stehenden aus dem Stein gemeißelten Sivalingam fällt, bin ich in unaussprechliches Erstaunen versetzt. Ich habe schon so viele Sivalingam Darstellungen gesehen, doch noch niemals so eine zauberhafte und wundersame. An der Vorderseite des glänzend-glatt polierten Sivlings (die Sivalingams der alten Zeiten haben noch eine eindeutig phallische Form, während es heute ellipsoide Steine sind) befindet sich ein faszinierend schönes weibliches Gesicht, mit allen Details. Eine wunderschöne Frisur – der obere Teil glatt hochgebundenen, der untere Teil in langen gewellten Haarsträhnen herabfallend und mit einem wunderschönen, schweren Halsschmuck – alles aus dem einen Stein gemeißelt – unendlich liebevoll und kunstvoll. Ich weiß nicht was es ist, aber diese Darstellung wirkt die Art von Magie, die mich die Luft anhalten läßt in Verwunderung und Fassungslosigkeit. Es ist als würde sich ein Tor zu einer anderen Dimension einen Spalt weit öffnen, durch den man einen undeutlichen Blick erhaschen kann auf das was dahinter liegt. Eine Energie, die eine plötzlichen Zäsur im Zeit-Raum Kontinuum bewirkt, an das wir normalerweise gebunden sind. Die Grenzen zwischen den Dimensionen sind auf einmal hauchdünn, sodaß die Ahnung, der Duft, der Geschmack, der Ruf des “Einen“ zu uns durchdringt. Ich fühle mich wie eine Mutter, die den Ruf ihres lange verlorenen Kindes gehört hat! Ungreifbar zwar aber mit verblüffender Deutlichkeit. Ich bemühe mich um Worte, doch es bleibt ein Mysterium.... Nur schwer lasse ich mich aus der Höhle hinausbewegen. Ich fühle mich wie angewachsen, aber es ist Zeit weiterzugehen.

 

Im hinteren oberen Teil der Felsformation wartet noch ein meisterhaftes Kunstwerk. Eine meterhohe Darstellung von Vishnu auf Ananta der Weltenschlage, am Ozean der Unendlichkeit ruhend. Sogar der ganze Boden ist mit kleinen, gemeißelten, sich riffelnden Wellen überzogen. Es ist als würde ich auf einem zu Stein gewordenen flachen Strand stehen über den des Wasser fließt. Welch unermeßliche Hingabe an das Göttliche die Künstler gehabt haben müssen, welch mysteriöse innere Triebkraft dahinter stehen muß in der Mitte des Dschungels ein derartiges Kunstwerk zu schaffen.... Swamiji möchte dem einfachen Mann, der uns begleitete und einige Dinge erklärte, Geld geben, doch dieser lehnt mehrmals ab.

 

Als wir ins Auto steigen bin ich immer noch selbst wie versteinert, spüre das Unermeßliche, Unerklärliche zum Angreifen nahe und doch entzieht es sich dem geistigen Fassungsvermögen...

Pachmarhi... im Lebensraum der Tiger

Pachmarhi... bewaldete Berge und Täler so weit das Auge reicht, Revier von ca 200 Tigern und vielen anderen Wildtieren.

 

Wir haben ein wunderbares Hotel, “Champak Bungalows“ in Mitten des Nationalparks; im Kollonialstil, in einer gepflegten Parkanlage und mit köstlichem Frühstücks-, Mittags und Abendbuffet. Nur die Menge an verwendeten Chillischoten in nahezu allen Gerichten bis auf die Nachspeisen setzt meiner Begeisterung und Menge der Nahrungsaufnahme ein natürliches Ende. Nach 2 Tagen haben die Köche ein Nachsehen und verwenden nur mehr die Hälfte an Chili. Es ist immer noch scharf aber überschreitet nicht mehr die Schmerzgrenze. Auch bin ich nun wahrscheinlich schon etwas abgehärtet.

 

Wir verbringen die Tage mit Ausflügen zu Tempeln und Aussichtspunkten und einer Wanderung. Die Affen sind dabei nahezu allgegenwärtig und haben keine Scheu alles Eßbare unsanft zu entwenden. Wer etwas in der Hand hält kann sicher sein es entrissen zu bekommen. Und wenn es aus einer Tasche verführerisch duftet, dann muß man damit rechnen, daß man angesprungen wird und sein Hab und Gut verteidigen muß. Deshalb haben Einheimische hier kleine Stände wo Steinschleudern verkauft werden.

So arglos und unschuldig die Affen auch aussehen, wenn sie still dasitzen mit ihren Babies im Arm oder sich gegenseitig liebevoll lausend, so schnell kann man garnicht schauen, bekommt man auch schon mit einem drohenden Kreischen das eindrucksvolle Gebiß präsentiert.

 

Obwohl die Tiger zumindest im Bewußtsein allgegenwärtig sind, ist es wohl nicht so leicht einen zu Gesicht zu bekommen. Man muß sich allerdings ständig der Möglichkeit und potentiellen Gefahr bewußtnsein und wird angehalten auf den Wegen zu bleiben. An vielen Orten ist in der Früh und am Abend der Zutritt nicht erlaubt. Wir dachten erst es wäre wohl um die Wildtiere nicht zu stören, begriffen aber bald, daß es tatsächlich in erster Linie unserem eigenen Schutz diente. Angäblich sei vor nur wenigen Wochen ein Soldat (es befindet sich auch ein Militärgebiet hier) in sekundenschnelle von einem Tiger aus der Gruppe herausgerissen worden und war nicht zu retten. Obwohl Tiger Menschen normalerweise meiden, bleibt ein Tiger der einmal einen Menschen gerissen hat, eine Gefahr. Auch als wir nach dem Abendessen auf der Straße vor unserem Hotel einen kleinen Spaziergang machen um den Sternenhimmel und die frische Luft zu genießen, warnen uns die vorbeifahrenden Fahrzeuge, daß das wohl nicht die beste Idee sei. Angäblich wurden Tiger auch schon am See hinter der Hotelanlage gesichtet... Theoretisch ist also jederzeit und allerorts mit einer Begegnung zu rechnen.... doch wir bekommen keinen zu Gesicht, was mich etwas enttäuscht. Ich schaue mir stattdessen die Fotos von den Tigern im Katalog an und in youtube Videos...

 

Am letzten Abend genießen wir einen spektakulären Sonnenuntergang am höchsten Punkt des Bundesstaates Madhya Pradesh, hoch über allen Bergspitzen, dem Himmel so nahe. Als die Sonne untergegangen ist und die anderen Schaulustigen mit ihrem ununterbrochenen lauten Geschnatter abgezogen sind, breitet sich eine vibrierende, tiefe Stille aus. Ich wäre gerne geblieben, doch es wird schnell dunkel und wer möchte schon freiwillig jemandes Abendessen sein.

 

Bhimbetka...was ist Zeit?

 Ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe befindet sich auf unserem Weg, diesmal von Pachmarhi nach Bhopal. Die frühesten Funde belegen, daß die Bhimbetka Felshöhlen schon in der Steinzeit von unseren frühesten Vorfahren bewohnt waren. Durch die Jahrtausende dienten sie wohl unzähligen Generationen als Wohnstätten. Es überrascht nicht, denn durch die Art und Weise, wie diese weitläufigen, Höhlen mit niedriger Decke und gerundeten Wänden und Nischen geformt sind, fühlt man sich hier heimelig und geschützt. Es dringt außerdem genug Sonnenlicht herein und auch die Belüftung ist gut. An verschiedenen Vorsprüngen und Höhlenwänden befinden sich Malereien, von denen die ältesten 10 000 Jahre alt sind. Nur die spanischen Felsmalereien in Altamira sind mit

25 000 Jahren noch älter.

Doch ehrlich gesagt sind das zeitliche Dimensionen, die mein Geist ohnehin nicht fassen kann. Beim Versuch dies zu tun taucht die Ahnung auf, daß Zeit wahrscheinlich nur eine Illusion unserer begrenzten Wahrnehmungsfähigkeitnist und garnicht wirklich existiert, daß alles in einem einzigen ewigen Moment enthalten ist. Ich lege meine Hand auf die Felswand. Mir wird bewußt wie unbegreiflich lange der Fels existiert und wie verschwindend kurz im Vergleich dazu die Lebenszeit dieser Hand ist, die ihn berührt! Meine Wahrnehmung verschiebt sich und dieser Körper wirkt auf einmal garnicht mehr “fest“, sondern durchscheinend wie Licht, ein lockeres energetisches Gebilde, das sich auflöst bald nachdem es in Erscheinung getreten ist - wie ein Lichtteilchen das für einen Moment hell aufleuchtet und gleich wieder erlischt. Sind wir Menschen nicht wie Lichtteilchen, jedes für sich nur einen Augenblick lang manifest, doch alle gemeinsam ein beständiges Leuchten, Lichtwellen, erzeugend, die durch die Zeit reisen?

Die spirituelle Praxis hat im Grunde nur ein Ziel, sich der eigenen Identität mit dem übergeordneten Ganzen bewußt zu werden, jegliches Gefühl der Trennung abzugeben und aufzugehen in der Einheit  mit allem was ist. Die Dramen des Lebens, die kleinlichen Sichtweisen des Ego verlieren dadurch allesamt ihre Gewichtigkeit. Wovor soll ich mich fürchten und was habe ich zu verlieren, wenn ich in Wahrheit eins bin mit der Ewigkeit?

 

Auf den Felsen sind ockerrote und kalkweiße Malereien,  Abbildungen von Jagdszenen, von den gleichen Tierarten, die auch heute noch hier zu finden sind. Da ist ein Reh, ein Bison, Menschen auf Pferden, ein Tiger mit gestreiftem Körper. Wenn vor unvorstellbar langer Zeit die gleichen Tiger hier existiert haben wie heute noch, dann frage ich mich wie unbegreiflich viele Tigerkörper wohl in Erscheinung traten und sich wieder auflösten bis zum heutigen Tage! Die lineare Wahrnehmung und mein Zeitgefühl haben sich auf interessante Art und Weise verschoben. Ich habe nun den Eindruck, daß es der eine Geist, die eine Tigerseele, die hier seit Urzeiten lebt, die sich immer und immer wieder manifestiert, sich in diesen unzähligen Körpern ausdrückt... Wobei die einzelnen Tiger von untergeordneter Bedeutung sind, die Seele des Ganzen zählt! Und so muß es dann ja auch mit uns Menschen sein. Wir sind alle gemeinsam die Zellen eines gigantischen Organismus. Selbst innerhalb unserer eigener Körper sind nach rund 7 Jahren alle Zellen vollständig ausgetauscht – völlig neue Materie doch ein und das sebe unveränderliche Wesen! Was ist schon ein Menschenleben in einem kurzzeitigen Körper gegen das menschliche Bewußtsein das seit Urzeiten ungebrochen existiert, in ständiger Erfahrung seiner selbst in all den Erscheinungsformen....

 

Und so wandle ich in meinem zeitweligen durchscheinenden Körper aus Licht und Energie zwischen den die Zeitalter überdauernden Felsen. Doch nicht einmal die existieren für immer..... was ist schon so ein Fels im Angesicht der Ewigkeit....

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Erni (Sonntag, 04 Februar 2018 13:03)

    Liebe Susi, wie wundervoll gibst du deine Eindrücke wieder. Gelesen in einer ruhigen Minute, glaub ich fast ich bin dabei. Schön, dass du das alles erleben kannst. :)