Sylvester im Ashram...wir heißen das neue Jahr willkommen!

 

Wir wußten wir würden feiern, doch bis zum Nachmittag des 31.12.2017 gab es noch keinen Plan wie sich das Fest gestallten würde. Dann wurde spontan entschieden das neue Jahr in der Yogashala willkommen zu heißen. Die Yogashala ist eine große  kreisrunde Struktur, mit dicken Steinsäulen, gedeckt mit einem Bambusdach, nach allen Seiten hin offen, die Narmadaebene überblickend. Mit einem kleinen Altar in dem ein wunderschöner weißer Ganesha mit lieblichen Augen thront. Mit seinem dicken Bauch und seiner Vorliebe für Laddus (indische Nascherei) erinnert er uns an die Ruhe und Gelassenheit und an die Süße des Lebens.

 

 

 

Nachdem abgewägt wurde, ob es wohl sicher wäre in der Mitte der runden Halle ein Feuer zu entzünden und entschlossen wurde es vertrauensvoll zu wagen, wurde die Feuerstelle vorbereitet – ein quadratisches großes Blech und ein paar Ziegel rundherum. Als es dunkel wird beginnen die Kinder die ganze Yogashalla rundherum mit Lichtern (Deepaks - kleine Tonschälchen mit Öl und Docht) zu schmücken. Teppiche werden ausgelegt, die Musikinstrumente werden gebracht, und schön langsam versammeln wir uns alle. Warm eingepackt und schon etwas schläfrig nehmen wir auf den Teppichen Platz. Das Feuer wird entzündet und die Flammen tauchen die ganze Yogashala in warmes oranges Licht. Es wird begonnen die traditionellen spirituellen Hymnen zu singen, zu Ehren von Ma Anandamayi, zu Ehren des Flußes Narmada, zu Ehren von Shiva... Es ist besinnlich und stimmungsvoll. Es sind die letzten Stunden des Jahres 2017, welches für mich sowohl unglaublichen Segen als auch riesige Herausforderungen brachte. Während ich innerlich noch einmal das alte Jahr Revue passieren lasse, halten die lodernden Flammen meinen Blick gefangen und geben meinem Geist Fokus und Ausrichtung. Es ist ein emotionaler Moment – die großen Wachstumsaufforderungen und inneren Widerstände einerseits, und die große Schönheit des Augenblicks andererseits. Das Feuer erfüllt seine Funktion - ich sehe mit Klarheit, daß alles woran wir uns zu festhalten früher oder später Schmerz erzeugt – vergangene Verletzungen und persönliche Lebensdramen genauso wie die glorreichen Hochgefühle glückerfüllter Momente. Drum bin ich nun bereit wirklich alles diesen Flammen anzuvertrauen, einfach und bescheiden zu sein, alles Weitere in die Hände des Lebens zu legen, wissend, daß diese Kraft mit unendlicher Weisheit, Liebe und Genialität alles ordnet, alles lenkt, alles vermag – vorrausgesetzt man läßt sie ohne sich mit seinen eigenen begrenzten Vorstellungen in den Weg zu stellen.

 

 

Nach ein paar Ansprachen und ein paar Komikeinlagen in Hindi über die alle herzhaft lachen außer den gleichmütig dreinschauenden "Westerners", die nichts verstanden haben, beginnen die Musiker mit ihrem Repertoir “tanzbarer Lieder“. Die Kinder wie die Erwachsenen müßen sich nicht erst bitten lassen und die Hälfte der rund 60 Anwesenden erhebt sich zum Tanz. Die Kinder hüpfen und springen zusammen im Kreis, die Erwachsenen bewegen sich ausgelassen durch den Raum, mal tanzen wir alle in schneller Geschwindigkeit um das Feuer, mal formen sich die Kreise anderswo im Raum. Es ist ein einziger dynamischer Fluß, spontan und organisch... Ein Lied nach dem anderen, alle Müdigkeit ist weggeblasen, auch alle Kälte und alle Melancholie. Was für eine Party! Die schützende Dunkelheit, das sanfte Mondlicht, die Kerzen rundherum, das Feuer, die berührenden Melodien und leidenschaftliche Stimme des Sängers, die Texte, die von der tiefsten Sehnsucht nach dem Göttlichen und der höchsten ekstatischen Freude der Erfüllung sprechen, die packenden Rhythmen der Trommel, die Ausgelassenheit von Jung und Alt...

 

 

Mitternacht nähert sich und wir beginnen das Lied des Ashram zu singen “Om Ma Sharanam“...“Mutter wir sind in Deiner Obhut“. Zu Mitternacht folgt Swamiji seiner spontanen Inspiration und läßt uns alle einen Kreis bilden, die Hände haltend mit dem Gefühl, daß das Göttliche uns immer an den Händen hält und in Form aller Erscheinungen jederzeit an unserer Seite ist. Gemeinsam die Hände hochhebend wiederholen wir das Mahamrtyunjaya Mantra für Schutz und Segen im neuen Jahr. Danach, wie es so üblich ist, wünscht Jeder Jedem “Happy New Year!“ was bei 60 Leuten eine weile dauert.

 

Auch das rauschendste Fest hat ein Ende. Das Feuer ist heruntergebrannt und es wird nicht mehr nachgelegt. Alle bewegen sich zu ihren Zimmern. Der Mond scheint hell. Morgen Früh um 6 Uhr beginnen wie jeden Tag die Zeremonien....

 

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