Ein neues zu Hause!

 

Ich liebe die klare, frische Energie von Neubeginnen. Eine Chance alten Ballast hinter sich zu lassen und eine neue, bessere Version des Lebens entstehen zu lassen.

 

Ich bin freudig und aufgeregt wie ein kleines Kind, als ich jeden Tag Schritt für Schritt beobachte wie mein neues Zu Hause entsteht, das ich nach meinen Vorstellungen mitgestallte. Ich erlebe wie die Ziegel aufeinandergesetzt werden, der Verputz gemacht wird, das Dach auf das fertige Gemäuer kommt, wie das Badezimmer, die Kochnische und der Boden verfließt werden, wie die Waschbecken montiert, das Balkongeländer geschmiedet wird, wie die Steine für den Weg gesetzt werden, der bestellte Kasten kommt...

Die Baustelle ist seit ich hier bin mein liebster Ort. Oft sitze ich vor dem Schlafengehen bei Sternenhimmel im Rohbau und geniesse einfach die Energie des Ortes.

 

Ich freue mich total über die 2 hübschen kleinen Tischchen, die wir erstanden haben, denn die Auswahl im 30 Minuten entfernten Dorf ist sehr begrenzt. Einen Puja-Tisch und einen kniehohen Tisch, der wahlweise als Ess- , Arbeits- und Balkontisch dienen wird. Und eine mit Baumwolle gefüllte weiche „Matratze“ in ansprechenden Farben, die sogar zu den Vorhängen passt. Und, richtig gefaltet, geht sie als Sofa durch. Perfekt!

 

Die Elektrokochplatte ist die reinste Freude, und der Trinkwasserkontainer mit Zapfhahn im Zimmer der pure Luxus. Ich habe eine eigene Küche! Winzigklein zwar, aber mit dem richtigen Platzmanagement voll funktional. Morgen kommt ein dazupassender winzigkleiner Kühlschrank. Und auch eine kleiner Boiler für warmes Wasser im Bad wird geliefert! All das erzeugt in mir Aufregung und Freude, denn diese Dinge sind hier alles andere als selbstverständlich und ich dachte immer auf diese Dinge hier verzichten zu müssen. Ohne darum gebeten zu haben werden mir diese Kostbarkeiten angeboten, und obwohl ich erst recht ungläubig dreinschaue und mich auf den Arm genommen fühle, ist nicht viel Überredungskunst nötig, damit ich zustimme. Und warum nicht? Ich betrachte es als Investition für die Zukunft. Es geht nicht bloß um momentanen Komfort, oder darum sich in Askese zu üben, sondern darum hier auch dauerhaft gut leben zu können. Das Pendeln und Arbeiten zwischen 2 Kontinenten bringt genügend Strapazen mit sich. Diese Dinge machen das Leben hier (und vor allem den langwierigen Genesungsprozess in dem ich mich befinde) so viel leichter. Ich bin ja nahezu die Hälfte des Jahres hier. Nicht bloß ein Gästezimmer sondern ein echtes zu Hause zu haben bringt große Erleicherung. Ich kann nun die meisten meiner Sachen hier lassen und muss nicht jedes Mal alles hin- und hertransportieren.

 

Sobald die Fenster und Türen drin sind, werden die Vorhangstangen montiert und die extrem billigen aber dafür geschmackvollen lindgrünen Vorhänge aufgehängt, die wir ebenfalls im kleinen Ort Baruwa erstanden haben. Ein paar Glühbirnen werden eingeschraubt und ich bin total entzückt über die einfache Beleuchtung. Ein nicht verwendetes Bett wird aus einem anderen Zimmer geholt.

 

Nun bin ich nicht mehr zu halten und ziehe auch schon ein. Schlichte mit Hingabe meine Sachen in den schönen neuen Kasten. Das Leben aus dem Koffer hat ein Ende.

 

Es ist ganz eigenartig, denn ich fühle mich sofort total zu Hause. Es erscheint fast wie ein Wunder, wie sich der im stillen gehegte Traum vom zukünftigen kleinen zu Hause in Ma Sharanam innerhalb kürzester Zeit manifestiert hat. Völlig unverhofft und mühelos. Und plötzlich steht es da und ist mir so vertraut, als hätte ich schon lange darin gewohnt.

 

Die erste Nacht ist trotz heimatlicher Gefühle etwas aufregend und der Schlaf nicht besonders tief. Aber in der Früh sehe ich von meinem Bett aus durch das große Fenster wie die Sonne am Horizont aufsteigt. Ich sitze an die Wand gelehnt zur ersten Morgenmeditation mit den 5 Elementen, während das Zimmer in goldenes Licht getaucht wird. Nach der ersten Dusche (daweile noch mit Eimer und händischem Heizstab) setze ich mich zur morgendlichen Puja. Ich spüre die klare reine positive Energie des Platzes und fühle mich in der Praxis sehr inspiriert und unterstützt.

 

Ich höre die Mantras der Feuerzeremonie, denn die Yagya Shala ist nur wenige Meter entfernt, und, da ich den Ablauf gut kenne, höre ich genau wann sie beendet sein wird, und wir uns alle zum Frühstück in der Morgensonne treffen werden.

 

Swamiji scheint nicht weniger freudig und aufgeregt, als er an meine Türe klopft um mir den ersten Besuch abzustatten und zu fragen, wie sich das neue zu Hause anfühlt.

 

Nur ein zwei Tage später ist “Wintereinbruch“. Die nächtlichen Temperaturen sind um einige Grade gefallen und ich organisiere mir jede Nacht eine zusätzliche Decke. Die Nase ist in der Früh beim Aufwachen ganz kalt und die Strahlen der aufgehenden Sonne umso mehr willkommen. Es war auch etwas stürmisch in der Nacht und nun bemerke ich, daß die Türen schleissig eingebaut wurden. Rundherum ist ein breiter Spalt und ich spüre, wie der kalte Wind durchs Zimmer weht, Kleine Blätter wehen unter der Türe herein und große schwarze Ameisen marschieren unbesorgt ein und aus....mehr ein als aus.

 

Auch frage ich mich nun, warum eigentlich das Dach nicht “geschlossen wird“, denn der Giebel liegt nur locker obendrauf und Licht und kalte Luft kommen durch. Und wenn die Streifenhörnchen laut pfeifend und aufgeregt zwitschernd am Dach herumtollen, dann taucht hin und wieder ein buschiger Schweif zwischen den Dachplatten am Giebel auf, was ja durchaus entzückend ist. Aber wir beschließen, daß es doch klüger ist eine Decke einzuziehen. Die Betonplatten dafür wurden heute geliefert... Die Türen wurden heute nachgebessert und mit einer Art Isolation versehen.

 

Letzte Nacht schlief ich mit Wollmütze.....

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Kommentare: 1
  • #1

    Erni (Donnerstag, 28 Dezember 2017 12:45)

    Oh Susi, wie schön! Das ist ja großartig, wie hier für Dich gesorgt wurde. Na hoffentlich gestalten sich die kleinen Umbauarbeiten erfolgreich. Genieße Dein neues zu Hause :)
    Liebe Grüße Erni