Ankommen in Ma Sharanam....

Die Autofahrt von Indore nach Ma Sharanam....

Nach einem halben Jahr in Österreich sehe ich alles wieder mit dem Blick einer Europäerin. Dinge, die in wenigen Tagen wieder alltäglich und selbstverständlich sein werden, springen mir jetzt als Kuriositäten ins Auge. Zehn schön gekleidete und geschmückte Frauen, entspannt und fröhlich auf der Ladefläche eines kleinen Lastwagens, neben unserem klimatisierten Wagen auf zweiter Fahrspur, in voller Fahrt. Gerade war ich dankbar für den Luxus einer Klimaanlage um dem Staub, Lärm und der Hitze des indischen Verkehrs zu entkommen. Doch diese Damen sehen aus als könnten sie nicht entspannter sein und sehen dabei auch noch großartig aus.

Ein Barbershop (Bartschneider und Herrenfriseur) unter einem großen Baum, der Spiegel an den Stamm montiert....eine Affenbande mit vielen Babies bei den Chai-Shops am Strassenrand, ein Taxi mit wild flatternden zerflederten braunen Satinvorhängen, die vor 10-20 Jahren bestimmt mal einen edlen Touch verliehen haben, nun aber nur mehr Staubfänger sind....

 

Ankommen in Ma Sharanam.... viele bekannte lächelnde Kindergesichter.....und die erwartungsvolle und etwas herausfordernde Frage "What is my name? What is my name?" Nach einer langen anstrengenden Reise aus einer anderen Welt ist der Geist meist zu erschöpft und überladen, als daß er die Erinnerung an die vielen Namen so bereitwillig freigeben würde.... diesmal habe ich mich schon vorbereitet indem ich mir auf der Fahrt die Buben und Ihre Namen in Erinnerung gerufen habe.....aber einige sind entwischt und so muss ich sie wieder mit entgeisterten ahnungslosen Augen anschauen und hoffen, daß sie es verzeihen werden.

Swamiji gibt mir voller Freude eine Führung durch das ganze Ashram-Gelände, zeigt mir was sich alles verändert hat in den letzten Monaten. Die Vegetation ist unglaublich schnell gewachsen....aus dünnen Büschen sind richtige hohe Bäume geworden. Sie verleihen den Tempeln und verschiedenen Plätzen eine Atmosphäre der einladenden Frische und Erholung. Ma Sharanam erblüht so zu sagen immer mehr, entfaltet seine wahre Schönheit nach und nach.....so wie auch ein spiritueller Aspirant Schritt für Schritt seine wahre Natur und sein volles Potential entfaltet. So wie sich ein Samen in eine starke Pflanze verwandelt, die eines Tages Blüten trägt, die ihren ganz eigenen speziellen Duft verströmen....Vom Duft der Blüten zum Duft der Goshala (des Kuhstalls).

Auf unserem Spaziergang besuchen wir auch die Kühe, mit ihren elegant gerundeten Stirnen und großen hängenden Ohren die uns erwartungsvoll entgegenblicken (im Konkreten erhoffen sie sich mit übriggebliebenen Chapatis gefüttert zu werden). Swamiji erzählt, seit sie jede einen Namen bekommen haben und täglich von Hand einen Leckerbissen gefüttert bekommen, geben sie viel mehr Milch und auch die Kälbchen gedeihen prächtig.

Mir fällt auf, daß ich völlig vergessen hatte wie schön dieser Ort ist und wie glücklich ich hier war. Mich durchströmt wieder dieses Gefühl der Überwältigung und der Dankbarkeit. Vor meiner Abreise aus Österreich war ich so eingenommen von den notwendigen Erledigungen und auch von dem Gefühl des Abschiednehmens , daß mein Geist garkeinen Raum fand in die Zukunft zu schweifen und sich auszumalen wie es werden würde. Leben im Augenblick hält viele Überraschungen bereit.

Ich habe das Gefühl nach Hause gekommen zu sein (mein zweites zu Hause). Noch garnicht richtig fassen kann ich auch, daß gerade mein eigenes kleines Zimmer mit Bad und Blick zur Narmada am Entstehen ist. Die Mauern stehen schon! Womit Ma Sharanam auch zu meinem tatsächlichen "zu Hause" im wahrsten Sinne des Wortes wird.

Erstaunt nehme ich wahr, wie sehr die Umgebung uns beeinflußt und bestimmte Anteile unserer Persönlichkeit fördert, hervorbringt oder zurückdrängt. Ma Sharanam erfüllt seinen Zweck als Ort für spirituelles Wachstum so perfekt! Die Verbundenheit mit allem was ist, die sensiblen spirituellen Antennen, die innere Empfänglichkeit für die feinen Wahrnehmungen, das Gefühl der Hingabe und höheren Führung....all das verstärkt sich automatisch sobald ich hier bin.

Am frühen Abend, zu Sonnenuntergang, gehen wir hinunter zum Fluß Narmada, die Hymne zur Verehrung des heiligen Stromes singend. Wir nehmen ein erfrischendes Bad in den tanzenden Fluten und sitzen dann auf einem sonnenwarmen, glatten Felsen - meditierend und sie Schönheit der Natur und des Augenblicks aufsaugend. Das Plätschern der Wellen, die Vögel, die über den orange violetten Abendhimmel ziehen.... Und dann führen wir das Arati durch (die Lichtzeremonie); die Öllampe wird geschwenkt, auch die Räucherstäbchen, die Blumen werden ins Wasser geopfert.....Narmada ist glücklich und wir sind es auch. Mit dem Gefühl von ihr gesegnet zu sein marschieren wir wieder singend zurück zum Ashram.... bald ist die Abendmeditation und dann das Abendessen.

Als es finster ist und wir von der Essenshalle ins Frei gehen, ist die Luft schwer beladen mit den betörendsten Düften.... vor dem Haus die Kundablüten, hinter dem Haus die "König der Nacht", die wie ihr Name verrät erst des nächtens ihren Duft verströmt..... man kann garnicht lange genug einatmen und sich von dem Aroma und der lauen Nacht berauschen lassen.... aber es ist wirklich Zeit schlafen zu gehen nach einem langen Tag, denn die Sonne geht früh auf!

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Kommentare: 7
  • #1

    Andrea Koch (Samstag, 11 November 2017 15:26)

    Ich wünsche dir eine schöne lehrreiche Zeit.

  • #2

    Ingrid Türk (Samstag, 11 November 2017 15:41)

    Wünsche Dir eine schöne Zeit. Liebe Grüße Ingrid

  • #3

    Edda (Samstag, 11 November 2017 20:34)

    Liebe Susanne,
    deine Schilderungen von deiner Ankunft ,deinem Heimkommen in Indien sind sehr berührend und erfüllen mich mit einer ordentlichen Portion Fernweh. Ich wünsche dir eine erfüllte Zeit und freue mich schon auf die Zeit wo dein/euer Buch erscheinen wird.
    An dieser Stelle noch ein Danke für die wunderbaren Düfte. Sie sind bereits in Verwendung.

    Alles Liebe
    Edda

  • #4

    Ursula Felser (Sonntag, 12 November 2017 09:32)

    Liebe Susanne,
    deine Beschreibung ist sehr schön! Ich sehe Indien vor meinem geistigen Auge!
    Namaste!
    Ursula

    PS: Danke für die Düfte, sind gut angekommen.

  • #5

    Radhika (Sonntag, 12 November 2017 21:59)

    Liebe Saraswati, es bereitet mir große Freude deine Zeilen zu lesen. Ich wünschte ich könnte bei euch sein. Es braucht noch ein wenig Geduld :). Ganz viel Freude Liebe Grüße Radhika

  • #6

    Renate (Montag, 13 November 2017 10:13)

    Danke liebe Sarawati! Deine wunderbaren Schilderungen verstaerken die Vorfreude in mir und die Reisevorbereitungen werden mir leichter von der Hand gehen. Wie schoen, dass man im Narmadar baden kann! Bis bald.

  • #7

    Erni (Donnerstag, 28 Dezember 2017 12:43)

    Liebe Susi, diese Verbundenheit zu Deiner 2. Heimat spürt man mit jedem Wort, das man liest. Wie schön für Dich, in 2 so verschiedenen Welten zu Hause zu sein. Ganz liebe Grüße Erni