Frohe Weihnachten!

Meine lieben Freunde!

 

Ich muß mich bei Euch entschuldigen, daß Ihr garnichts von mir hört. Ich habe Euch nicht vergessen. Es ist bloß so, daß es mir seit Wochen nicht möglich ist einen Blog-Eintrag zu verfassen. Die Erfahrungen und Ereignisse sind nicht wirklich dazu geeignet um auf einer öffentlich zugänglichen Website zu landen. Frisch eingesetzte Samen wachsen im Verborgenen, von Erde bedeckt, im Schutz der Dunkelheit. Und so habe ich nichts, was sich zur Präsentation eignet. 

Jeder Tag ist scheinbar gleich und doch ganz anders. Die Wochen verfliegen. An manchen Tagen scheint es mir als wäre ich ein hoffnungsloser Fall. Zu wenig Willensstärke, nicht genug Leidenschaft, zu verweichlicht und verwöhnt für das echte spirituelle Leben. An anderen Tagen scheint das innere Licht so hell, daß das Ego verblaßt vor der Erinnerung an die eigene wahre Natur und ungebrochene Identität (um sich daraufhin natürlich wieder besonders in den Vordergrund drängen zu wollen).

"Ich habe das alles garnicht verdient und schon garnicht erarbeitet", denke ich mir öfters. Und doch legt mir das Göttliche unermeßliche Geschenke in den Schoß. "Gutes Karma aus vergangenen Leben. Du mußt schon viele Leben lang praktiziert haben", sagt man mir. "Deine harte Arbeit trägt jetzt Früchte."

Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Jeder Gedanke den wir im Bewußtsein akzeptieren, jede Handlung die wir setzen, sendet eine Information ins Universum, eine energetische Schwingung, die ähnlich einem Echo, oder dem Tennisball, den wir gegen eine Wand werfen, zu uns zurück kommen muss. Karma wirkt immer. Manchmal umgehend, manchmal nach Jahren, Jahrzehnten... Jahrthunderten...  Vor den Konsequenzen unserer Handlungen gibt es kein Entkommen. Niemand kann sich entziehen. Wir sind alle gebunden an unsere Taten.  Karma wird nur getilgt indem es akzeptierend durchlebt wird. Ohne daran haften zu bleiben, ohne durch Ablehnung und Widerstand neues Karma zu erzeugen. Unsere wahre Freiheit liegt in den Entscheidungen die wir in der Gegenwart treffen, den Samen, die wir in jedem Moment sähen. Sie bestimmen unser zukünftiges Schicksal. Das was schon Früchte trägt muß geerntet werden, ob die Früchte nun süß sind oder bitter....wir selbst haben sie irgendwann einmal gepflanzt, oder zumindest ihr Wachstum geduldet.

Harte Zeiten durchzustehen ist so gesehen kein Grund zur Sorge, sondern ein Grund standhaft und frohen Mutes zu bleiben, denn es ist eine Gelegenheit ein für alle Mal von alten Lasten befreit zu werden. Große Mengen Karma werden dabei im Feuer der Transformation verbrannt, was nun einmal mit Schmerz verbunden ist. Doch ist es eine Chance leichter und gereinigt aus der Asche empor zu steigen.

 

Tapasya ist das bewußte und manchmal absichtliche Ertragen von Unbequemlichkeit und Schmerz, dem Leben entgegen zu kommen und diesen Prozess zu beschleunigen, das Feuer der Transformation anzuheizen und sich freiwillig hineinzustellen bis alles verbrannt ist, was der eigenen Freiheit im Wege steht.

Eines Tages machen wir einen Ausflug zu einem heiligen Mann, einem Baba, der weit bekannt und verehrt ist. Wir treffen ihn in seinem kleinen Zimmer in der Nähe des Flusses Narmada. Sein physisches Alter entzieht sich der Schätzung....über 100 auf jeden Fall. Völlig nackt bis auf einen winzigen Lendenschurz, bei Hitze wie bei Kälte. Mager und knöchern mit einem Buckel und langen Beinen, einem langen weißen Bart... Die Haut erstaunlich glatt und lebendig leuchtend. Beinahe taub. 12 Jahre seines Lebens hat er ausschliesslich stehend verbracht, ohne sich zu setzen oder hinzulegen! Schlafen im Stehen mit den Armen auf eine Stütze gelehnt. Fünf dieser Jahre hielt er zusätzlich Mouna (Schweigen) und studierte stehend die heiligen Schriften.

Unvorstellbares Tapasya. Wie bringt man so etwas fertig? Was verschafft so starke Motivation?

Ich werde gefragt ob ich ihm eine Frage stellen möchte. Ich flüstere dem Übersetzer ins Ohr, daß ich gerne etwas über die Bedeutung von eigener Willenskraft im Gegensatz zu liebender Hingabe an das Göttliche hören möchte. Er kneift nur die Augen zusammen und schüttelt den Kopf und möchte die Frage offenbar nicht stellen. Jemand anderer fragt also über die Art und Weise, wie ein bestimmtes Mantra richtig zu praktizieren ist. Nachdem der alte heilige Mann die Frage ausführlich beantwortet hat, setzt er mit einem 20 minütigen Vortrag über die Rolle von Disziplin versus Liebe am spirituellen Weg fort. Erstaunt stelle ich fest, daß er im Detail meine unausgesprochene Frage beantwortet! Als wir aufbrechen, bemerken die Anwesenden, daß sie ihn noch nie vorher so lange und ausführlich sprechen gehört haben und, daß wir großes Glück haben. Manchmal spricht er garnicht, sondern sitzt nur da und schweigt.

 

Obwohl Baba ji äußerlich recht zerbrechlich wirkt und selbst kaum etwas hört, gab er uns einen energetischen Vortrag von großer Kraft und Klarheit, mit starker Stimme. Ein Plädoyer für die Liebe.... Ohne Liebe kann die größte Willenskraft nichts erreichen auf dem spirituellen Weg. Und nur die Liebe macht es überhaupt möglich so starke Disziplin aufzubringen und aufrecht zu erhalten.

Aus seinen Augen strömt ein Fluß liebevoller Energie indem man sich gebadet fühlt und das Gesicht des Alten ist so lieblich und harmlos wie das eines kleinen Kindes. Obwohl wir schreiend mit ihm sprechen, versteht er uns kaum und obwohl er gebrechlich ist, springt er von seinem erhöhten Sitz auf um sich zu uns, die wir am Boden sitzen, herunterzubeugen, anstatt abzuwarten, daß wir aufstehen um zu ihm zu kommen.

Im Dorf erzählt man uns er hätte Kontrolle über die Elemente, hätte es in einer Zeit großer Trockenheit, als die Ernte in Gefahr war, regnen lassen, hätte ein Feuer entzündet, wo es zuvor aufgrund der Feuchtigkeit unmöglich war.... Ein Mann um die 40 erinnert sich, daß er bereits als kleiner Bub bei dem Alten zu Besuch war und der sich seither nicht verändert habe....

Bei unserem Besuch ist er erkältet. Wir fragen wie es ihm geht... Er antwortet: "The body still goes on and on..."

 

Was hat das nun alles mit Weihnachten zu tun? Denn eigentlich wollte ich Euch nur ein frohes Fest der Liebe wünschen. Vielleicht eine Inspiration zum einfachen Leben. Wieder eine Erinnerung, daß tiefes Glück und innerer Reichtum nicht durch Überfluß, Wohlstand und Bequemlichkeit zu erreichen ist, sondern viel eher durch Einfachheit, Bescheidenheit und die Fähigkeit zum Verzicht in der Tiefe des Herzens heranreift. Dann schmecken auch die Weihnachtskekse umso himmlischer und alles was uns "beschert" wird hat einen viel größeren Wert. Feiert das Fest der Liebe aus vollstem Herzen, mit Euren Lieben oder in stiller Einkehr. Wir alle sind Träger des Lichtes, wie Jesus es war, und unser Mut und unsere Standfestigkeit wird dringend benötigt. Träger des Lichtes zu sein, auch, wenn wir von allen Seiten mit Dunkelheit konfrontiert sind.  Das Vertrauen zu behalten, daß das Licht immer die Dunkelheit besiegt. Frohe Weihnachten!

 

 

 

 

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Kommentare: 11
  • #1

    Angelika (Freitag, 23 Dezember 2016 11:19)

    Danke für Deine Wünsche und Deine schönen, berührenden Worte. Ich wünsche auch Dir ein friedvolles, berührendes Weihnachtsfest.

  • #2

    Claudia (Freitag, 23 Dezember 2016 12:23)

    Liebe Susanne!
    Ich wünsche dir in der Ferne schöne Feiertage und einen guten Jahreswechsel!
    Es ist schön, dass du das, was Du erleben darfst, ein wenig mit uns teilst!

  • #3

    Manuela (Freitag, 23 Dezember 2016 13:16)

    Jai Gurudev, liebe Sarasvati!
    Vielen Dank für deinen wundervollen Blog von heute 23.12.
    Es inspiriert und wärmt einem in dieser unseren Kalten Zeit.
    Und einem wahrhaftigen Avatar zu begegnen, dass ist nicht selbstverständlich. Vielen Dank, dass du das mit uns teilst!!
    Ich bin im Herzen mit dir und wünsche dir alles
    Liebe und Gute und Frohe Festtage.

  • #4

    Uschi (Freitag, 23 Dezember 2016 13:48)

    Hallo liebe Susanne, schön von Dir zu hören! Ich wünsche Dir schöne Weihnachten, und viel Glück im Neuem Jahr! Alles Gute und schöne Zeit, bis zum nächsten Mal!

  • #5

    Ingrid Türk (Freitag, 23 Dezember 2016 14:34)

    Danke!!! Alles Liebe für Dich und Friede für alle diesseits und jenseits. Frohe Weihnachten und liebe Grüße. Ingrid

  • #6

    Manuela (Montag, 26 Dezember 2016 11:48)

    Liebe Susanne, vielen herzlichen Dank für deine Worte. So wunderbare, sanfte, ruhige, inspirierende Eindrücke, die du da übermittelst. Immer wieder schön von dir zu hören! Da halte ich inne und denke darüber nach.
    Frohe Weihnachten!
    Alles Liebe, Manuela

  • #7

    Martin (Dienstag, 27 Dezember 2016 18:49)

    Herzlichen Dank für Deinen wunderbaren Beitrag voller Liebe und Zuversicht :-) Wunderschöne Worte und ein wundervolles Geschenk :-) Ich wünsche Dir noch eine wunderbare Zeit voll Wachstum und innerer Einkehr, immer im Fluß des Lebens :-) Und freue mich schon sehr, wenn Du uns von Deinen Erlebnissen berichten wirst :-) Namaste, alles Liebe, Martin

  • #8

    Flo Griffie (Donnerstag, 02 Februar 2017 14:51)


    Hi there, I read your new stuff like every week. Your story-telling style is witty, keep it up!

  • #9

    Kelle Kellems (Donnerstag, 09 Februar 2017 06:46)


    Hello, just wanted to mention, I loved this article. It was practical. Keep on posting!

  • #10

    Ashlyn Sipe (Donnerstag, 09 Februar 2017 22:24)


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  • #11

    Vera (Mittwoch, 27 Dezember 2017 17:12)

    Danke liebe Saraswati für deine Eindrücke und Reflexionen, die du so wunderschön und poetisch verfasst... berührend, anregend und erfreulich zu lesen