Dimensionswechsel...

Der Dimensionswechsel ist vollzogen. Wie dankbar ich bin wieder hier zu sein. Schon als ich in Delhi am Flughafen indischen Boden betrete ändert sich das Bewusstsein. Eine Schicht aus Anspannung, derer ich mir nicht einmal bewußt war, fällt ab und der Geist beginnt sich ganz von alleine nach innen zu richten und den Namen des Göttlichen zu singen. Die Erlaubnis und Aufforderung dazu ist wieder da. Auch wenn Indien in den letzten Jahrzehnten von einer Welle des Konsumrausches und der Kommerzialisierung überschwemmt wurde und in einem rasanten Wandel begriffen ist, das jahrtausendealte kulturelle Erbe, welches durch und durch spirituell ist, ist lebendig und wirksam. Ein mächtiges aktives Energiefeld, welches sofort Resonanz in mir hervorruft.

 

Schmerzhaft ist es jedes Mal, wenn ich in den Ashram zurückkehre. Schön, aber schmerzhaft. Denn die heile Welt, die hier existiert ist Wirklichkeit. Und sie steht in schockierendem Kontrast zum modernen System von welchem ich wieder Teil geworden war... Politik, Egoismus, Angst, Hass, Kampf, Profitgier... Wieviel kostbare Lebenszeit doch mit schmerzhaften Spielen verbracht wird, die nicht zum Glück führen sondern in die Zerstörung. Doch wie soll man sich entziehen, wenn man mitten drinnen lebt und sich an die Spielregeln halten muss? Auch, wenn man sie als ungerecht, unmoralisch und unmenschlich erkannt hat, durch die notwendige Akzeptanz tritt auch eine gewisse Abstumpfung ein, und irgendwann es Normalität.

 

In den ersten Tagen rollen jedes Mal die Tränen in Strömen. Das Herz kehrt zu sich selbst nach Hause zurück und fragt sich: Wieso hab ich mich wieder so weit entfernt? 

Der unregulierte mächtige Fluss fliesst beständig und freudig - noch! (in wenigen Monaten wird der neue Staudamm in Betrieb genommen und die Ebene überschwemmt werden) Die Vögel zwitschern, die Sonne geht auf und wieder unter, die Sterne funkeln, der Mond erinnert Nacht um Nacht an den Lauf der Zeit, vom Vollmond zur schmäler werdenden Sichel, die Kinder singen und tanzen, die kleinen Buben sind zu großen Buben geworden, und neue kleine Buben sind Teil der Gemeinschaft geworden. Alles erinnert an den ununterbrochenen Lauf der Zeit, ein ständiges Vorrüberziehen. Im Aussen bleibt nichts wie es ist. Doch die Worte der Heiligen und Weisen vergangener Zeiten stehen da, zeitlos und felsenfest verankert in der Ewigkeit. Universell, wahr und lebendig. Augenöffner, Wegweiser, Herzensmedizin. Anhalten, hinhören, Frieden und Freude im Inneren finden im Einklang mit dem Universum. Oder weiter am Jahrmarkt der Welt Ringelspiel fahren, das x-te Spiel gewinnen wollen, die x-te Sinnesbefriedigung...auf Kosten von irgendwem oder irgendwas...wen interessiert das schon?  Ich werde mir der Wahl bewußt, die sich mir in jedem Augenblick bietet. Den ständigen Gedanken Glauben schenken, von denen die meisten Ausdruck des Ego sind? Planend, besorgt, vorrauseilend, beurteilend, ängstlich auf den eigenen Vorteil bedacht... Oder das Herz in die Hände des Göttlichen legen? In vollem Vertrauen, in voller Hingabe...nicht mein Wille geschehe, sondern Deiner. Komme was wolle. Jeden Kampf aufgeben. Jeden unnützen Gedanken erkennen und fallen lassen, und statt dessen nur einen im Gewahrsein halten.... den Namen Gottes...egal welchen! Siva, Ma, Bhagavan, Jesus, Allah, Krishna, Om, So ham (ich bin das)...es spielt überhaupt keine Rolle. Jeder Name, jedes Wort, jeder Klang ist Ausdruck der selben Kraft, kommt aus der selben unendlichen Stille in der alles wieder versinkt. Das Herz weiß was gemeint ist....

 

Die sogenannte "reale Welt" an die mich besorgte, wohlmeinende Menschen hin und wieder wieder erinnern, scheint von außen nun nicht so besonders real. Hat sich diese doch so weit von der Natur, der Ursprünglichkeit und von wahren Werten entfernt. Was für ein gigantisches Konstrukt des Ego...eben dieser ständig voraus eilenden inneren Stimme, selbstzentriert und clever, aber abgeschnitten von der Intelligenz des Universums.

 

Es gibt so unendlich viel zu tun an innerer Arbeit. Keinen Tag dieses kostbaren Lebens möchte ich verschwenden. Die einfältige Kost aus Reis, Linsen, Gemüse und Chapati ist willkommen. Das harte Bett und das kalte Wasser aus dem Eimer sind willkommen. Die zufriedenen, disziplinierten und gleichzeitig so freudvollen, ausgelassenen Kinder, die liebevollen gleichgesinnten Menschen, der gemeinsame Spass, die gemeinsame Arbeit sind natürlich sehr willkommen. Sogar der Handyalarm der um 3:20 läutet ist willkommen. Willkommen das stundenlange Sitzen in meditativen Übungen. 

 

Ich bin bereit alles zu geben auf dem inneren Weg. Das dachte ich zumindest.... bis ich feststelle, dass dieser Körper entwöhnt und voller Unruhe ist, und dieser Geist nicht so kooperativ, wie ich das erwartet hatte. Nicht mit ihm zu arbeiten bedeutet Rückschritt. Diese Erkenntnis trifft mich hart, denn Tag um Tag, Jahr um Jahr sammeln sich Konditionierungen an. Glaubenssätze und Verhaltensweisen verhärten sich, der Geist wird immer unflexibler und bequemer und ist irgendwann nur mehr gewillt das zu akzeptieren, was ihn in seinem eigenen Glauben bestätigt. Der selbstgemachte Käfig, aus dem sich zu befreien mit der Zeit nicht leichter wird.

 

So arbeite ich mich also durch dicke Schichten innerer Widerstände..."die Knie tun weh, die gehen bestimmt kaputt durch die Sitzerei", der Rücken schmerzt, der Geist redet unnützes Zeug und lässt sich nicht dazu bewegen sich zu fokusieren, dann schlägt das Herz so schnell, dann kämpfe ich den scheinbar  aussichtslosen Kampf gegen die Schläfrigkeit, dann stören die Geräusche aus dem Nachbarzimmer... "nicht mal um 4 Uhr Früh hat man seine Ruhe!" Als ob es daran läge...

Mein Lehrer lacht. "Das ist alles nur der Geist. Mach weiter."

Ich mache weiter. Und es wird noch schlimmer. Garnichts scheint mehr zu gehen. Bis mir endlich wieder einfällt, daß ich garnichts in diesem Leben unter Kontrolle habe! Auch, wenn der Geist sich das immer wieder einbildet. Die Macht der Gewohnheit. Eine simple innere Anpassung, ein müheloses, erleichterndes Sich-Überlassen. Und augenblicklich bekomme ich die Bestätigung für die verstandene Lektion. Der Körper wird eins mit dem Erdboden, ganz still und stabil, das Innere verschmilzt mit der unendlichen Weite. Der Lauf der Zeit geht weiter, doch ich laufe nicht mehr mit.  Die Vielheit fließt zusammen in der Einheit. 

 

Und wenn es vorher so schien, als hätte sich die Aussenwelt gegen mein Vorhaben verschworen tief ins Innere einzutauchen, so ist jetzt das Gegenteil der Fall! Das ganze Universum legt nun mit jeder Ausdrucksform, noch ein Schäuflein in das innere Feuer und läßt es noch heller läuchten...die morgendlichen Geräusche aus dem Nebenzimmer sind nun Teil eines einzigen liebevollen Flusses mit dem ich eins bin....

 

Mit ganzem Einsatz sein Bestes zu geben, sich jedoch vom Ergebnis zu lösen und in die Hände des Universums zu legen...das ist eine der Zauberformeln....

 

Die Knie, die seit eineinhalb Jahren bei jedem Mal Meditationssitz Probleme bereiten haben, von denen ich dachte, daß sie wohl nun kaputtgehen bei der übertriebenen Belastung, die tun plötzlich nicht mehr weh!  Sie sind sogar wieder fast so stabil wie sie es früher waren! Wie kann das sein, fragt sich der Verstand... Waren die Knieprobleme tatsächlich geistigen Ursprungs wie mein Lehrer meinte? Ein Mangel an innerer Stabilität.... Nun grabe ich meine Wurzeln immer tiefer ein...

 

Ich bin gespannt was für Überraschungen ich noch erleben darf. Von welchen Begrenzungen ich mich noch lösen darf. An Herausforderungen wird es sicher nicht mangeln.

Im Äusseren wie im Inneren bieten sich unentwegt "Wachstumsaufforderungen". Der Segen der Abgeschiedenheit ist, genau hinsehen zu können und das zu bemerken, was sonst im Treiben des Alltages untergeht.

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Kommentare: 14
  • #1

    Martin Sautner (Montag, 28 November 2016 18:16)

    Ich wünsche Dir vom ganzen Herzen alles Liebe für Dein Wachstum, Deinen Weg in der Abgeschiedenheit dieser Welt und doch Teil des Ganzen - und herzlichen Dank für Deinen wundervollen Eintrag :-)

  • #2

    Sabine Padma Bacher (Dienstag, 29 November 2016 13:35)

    Deine Worte wecken Sehnsucht nach der Einfachheit, aber letztendlich Sehnsucht nach der Hingabe in das was ist. Ich freue mich, dass du solch schöne Erfahrungen machen kannst. Danke für diesen wunderbaren Beitrag.

  • #3

    Ingrid Türk (Dienstag, 29 November 2016 18:47)

    Wünsche Dir viel Kraft und schöne Erlebnisse. Deinen Eintrag werde ich sicher noch öfter lesen. Alles Liebe Ingrid

  • #4

    Sissy Schmid (Dienstag, 29 November 2016 19:14)

    Liebe Susanne,
    Deine Worte sind so wunderbar, voller Sehnsucht eins zu werden mit dem Göttlichen! Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du findest wonach du suchst und dass es dich erfüllen möge. Genieße jeden einzelnen Tag! ❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤
    In Liebe Sissy

  • #5

    Manuela Pöhn (Dienstag, 29 November 2016 22:08)

    Du sagst es, liebe Susanne, der Geist wird immer unflexibler und bequemer. Wie wahr! "Der Segen der Abgeschiedenheit", du Glückliche. Fein, dass es dir gut geht und du so bewegende Erfahrungen machst. Vielen herzlichen Dank für deine eindrucksvolle, lebendige Schilderung und dass du sie mit uns teilst.
    Ich umarme dich, Manuela

  • #6

    Helga (Mittwoch, 30 November 2016 19:46)

    Liebe Susanne,
    danke, dass du uns an deinem Weg ins Innere teilhaben lässt. Du fehlst uns hier !
    Liebe Grüße aus Wien!
    Helga

  • #7

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  • #9

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  • #10

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  • #13

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  • #14

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